Zeitung Heute : In weißer Raumfahrtkluft auf der grünen Insel

PETER ZSCHUNKE (AP)

Im irischen Leixlip baut Intel seine modernsten Chips, die Mitarbeiter erinnern an AstronautenVON PETER ZSCHUNKE (AP)Fischfang, Pferdezucht und Schafe haben über Jahrhunderte hinweg den Rhythmus in Leixlip geprägt - schließlich bedeutet der Name der irischen Kleinstadt westlich von Dublin auch soviel wie "Lachssprung".Inzwischen aber hat sich das von grünen Wiesen umgebene Tal des Flüsschens Liffey zum Silicon Valley Europas entwickelt und lebt im Takt der 400 Millionen Schwingungen in der Sekunde, in denen der derzeit schnellste Mikroprozessor von Intel seine Daten verarbeitet.Anfang der Woche hat der größte Prozessorhersteller der Welt in Leixlip seine modernste Chip-Fabrik, Fab 14, eröffnet.Im warmen orangefarbenen Licht bereiten Intel-Arbeiter in ihren weißen Raumfahrt-Anzügen den in sechs Wochen geplanten Produktionsstart vor.Auf ihrer Seite der Trennscheibe haben Besucher keine Bedeutung.Wichtig ist allein, daß kein Staubpartikel die Herstellung der filigranen Strukturen des Mikrochips gefährden darf.Deshalb wird alle sechs Sekunden die Luft vollständig ausgetauscht.Zudem sorgt leichter Überdruck dafür, daß es in dem 7500 Quadratmeter großen "Reinstraum" nur maximal vier Staubpartikel pro Kubikmeter Luft gibt.Phosphorsäure, Schwefelsäure, Fluorsäure - Tanks mit diesen und anderen Flüssigkeiten warten auf den Beginn der Arbeitsprozesse, in denen die Millionen von Leitungsbahnen auf die Siliziumscheiben, die sogenannten Wafer, geätzt werden.Durch diese werden in mehreren Arbeitsgängen ultraviolette Strahlen auf die im Durchmesser 20 Zentimeter großen Wafer geschickt.Der fertige Wafer enthält später rund 150 identische Chips, die auseinandergeschnitten und in ein Steckgehäuse gepackt werden.Intel-Chef Barrett wies bei der Einweihung darauf hin, daß die Niederlassung in Irland 1989 auf dem Gelände eines Gestüts errichtet wurde.Damals überwand Irland seine schwere Wirtschaftskrise und hohe Arbeitslosigkeit und brach zu neuen Ufern auf.Inzwischen sind 60 der 200 größten High-Tech-Unternehmen der Welt in Irland ansässig, wie Ahern stolz vermerkt.In Leixlip ist auch Hewlett-Packard ansässig, in der weiteren Nachbarschaft haben sich auch andere Unternehmen der Informationstechnologie wie IBM, Gateway und Dell niedergelassen.Warum ausgerechnet Irland? Es ist nicht nur das Wasser des Liffey, das Intel für seine Chip-Produktion in großer Menge benötigt.Es sind auch, so sagt der irische Regierungschef, die relativ niedrigen Arbeitskosten, weitreichende Steuervergünstigungen der Regierung und ein großes Potential qualifizierter Fachkräfte, die in Leixlip 24 Stunden am Tag und sieben Tage in der Woche zur Verfügung stehen.Bis zum Jahresende sollen in Leixlip 4200 Menschen beschäftigt sein.Für das neue Werk gab Intel 1,3 Milliarden Dollar aus, insgesamt belaufen sich die Investitionen des Chip-Herstellers in Irland auf 2,5 Milliarden Dollar.Intel treibt die Entwicklung der Prozessortechnik immer weiter voran.Im nächsten Jahr soll eine neue Produktionstechnik eingeführt werden, mit der die Abstände zwischen den Leitungsbahnen auf 0,18 Mikron verringert werden.Und Fab 14 soll mit dem bestehenden Werk Fab 10 zur größten Chip-Fabrik der Welt zusammengelegt werden."Unsere Vision sind eine Milliarde miteinander vernetzter Computer auf der Welt", sagt Barrett in Irland.Derzeit sind es 150 Millionen.Und mit Ausnahme der Zentrale im kalifornischen Santa Clara wolle er soviel Intel-Anlagen wie möglich nach Irland mitbringen, scherzt der 58jährige Texaner - "weil doch meine Großmutter in Irland geboren wurde."

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