INDIE-ROCKThe Duke Spirit : Edelsteine im Malstrom

Jörg W,er

Wie immer dauert es auch 2009 etwas, bis sich namhafte Bands von außerhalb in die von den Jahresendfeierlichkeiten vermeintlich ausgelaugte Stadt trauen. Dabei fiebern wir doch längst wieder aufregenden Konzertabenteuern entgegen. So sollte der Mut von The Duke Spirit, mitten im eisekalten Januar die Schneeketten für eine Clubtour durch Deutschland aufzuziehen, zumindest durch rappelvolle Konzerte belohnt werden.

Denn trotz zweier hochgelobter Platten und einer von sämtlichen Augen- und Ohrenzeugen bestätigten Reputation als hervorragende Live-Band blieb dem Quintett aus London bislang der Durchbruch versagt. Das verstehe, wer will: Während jede Britpop-Combo, die drei Akkorde geradeaus spielen kann und mal im NME erwähnt wurde, die UK-Charts stürmt, verhungerte das wunderbare „Neptune“-Album im letzten Frühsommer auf Rang 63 derselbigen. Womöglich ist der schleifende, schlingernde Gitarrenrock-Drone von Duke Spirit einfach zu frei von zeitgeistigen Afropop- oder Disco punk-Referenzen, um der großen Masse ins Ohr zu gehen. Die verpasst dafür einiges: Auf „Neptune“ gelingt es The Duke Spirit, den Shoegazer-Indierock der vorletzten Jahrzehntwende sanft zu aktualisieren. Im Malstrom der Gitarren, im düsteren Grummeln der Bassläufe und im charismatischen Gesang von Liela Moss sind Anklänge an damalige Größen wie The Jesus And Mary Chain, The Breeders oder die frühe PJ Harvey herauszuhören. Queens- Of-The-Stone-Age-Produzent Chris Goss schliff das Rohmaterial zu einem funkelnden Edelstein in der 2008er-Rock-Krone. Sogar der NME fand’s gut. Leute, was wollt ihr mehr? Jörg Wunder

Lido, Di 13.1., 21 Uhr, 19 € BW641

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben