INDIE Stephen Malkmus & The Jicks : Es ist egal, aber

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Kann man sagen, hier habe jemand die Chance verschenkt, ein Rockstar zu werden? Wer sich heute – also fast 20 Jahre nach ihrer Entstehung – die ersten drei Platten von Pavement anhört und sich dazu denkt, welche Begeisterung dieser prototypische Slacker-Rock damals ausgelöst hat, wird sich wundern, dass der Name Stephen Malkmus heute wieder nur Insidern ein Begriff ist und nicht in einem Atemzug mit Michael Stipe oder wenigstens Thurston Moore genannt wird. Denn Pavement hatten in den frühen Neunzigern die besten Songs, die eingängigsten Hooklines, die cleversten, selbstreflexivsten Texte aller US-Indierockbands und hätten eigentlich R.E.M. beerben müssen.

Andererseits war die aufreizende Ambitionslosigkeit, die Malkmus in seiner Eigenschaft als Bandleader vorgelebt hat, ja gerade Teil der Slacker-Idee hinter Pavement: Als schluffig-genialischer Faulpelz durchs Leben zu kommen, ist eben auch eine Kunst. So kann man zwar Rolemodel für eine Übergangsgeneration werden, im darwinistischen Popstargeschäft sieht man damit aber keine Schnitte. Was einem wie ihm natürlich herzlich egal ist, wie er mit den wunderbaren Mir-doch-schnuppe-Soloalben der letzten zehn Jahre demonstrierte. Auf denen pflegte er einen rustikalen Bratzrock, den man dem Akkordfeinmotoriker nicht zugetraut hatte. Das jüngste, wieder mit seiner treuen Begleitband The Jicks eingespielte Werk „Mirror Traffic“ klingt wie ein Echo auf die Pavement-Reunion-Tour von 2010: weniger Riffs, mehr Melodien, sorgfältige Arrangements. Hat sich der 45-Jährige am Ende gar angestrengt?Jörg Wunder

Postbahnhof, Di 22.11., 20 Uhr, 17 € + VVK

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