Zeitung Heute : Informatiker als Datenschützer

HELGA BALLAUF

Richtungsweisende Zusatzqualifikation an der FH München VON HELGA BALLAUF

Sie wollen nicht den Zeigefinger erheben und den laufende Betrieb blockieren; sie wollen Lösungen für Lücken im Datenschutz liefern: Junge Informatiker an der Fachhochschule München spezialisieren sich in einer Zusatzausbildung zu betrieblichen Datenschützern.Das ist das berufliche Spannungsfeld, das sie erwartet: Einerseits erlauben Digitalisierung und Vernetzung einen schnellen Zugriff auf gespeicherte Informationen von fast überall her.Andererseits sind beim Umgang mit personenbezogenen Daten die Belange von Beschäftigten und Kunden zu berücksichtigen, wie sie sich aus dem informationellen Selbstbestimmungsrecht ableiten.Es geht darum, Wege zu finden, damit sich verschiedene Interessen nicht völlig in die Quere kommen - der Schutz der Daten einzelner Personen und die wirtschaftlichen Ansprüche des Betriebs.Kenner der Szene sagen voraus, daß der vorbildliche Umgang mit sensiblen Daten schnell zum Wettbewerbsvorteil werden kann - nicht nur bei Banken und Versicherungen.Wer fit ist auf diesem Gebiet, hat auch deshalb gute Berufschancen, weil sich das deutsche Konzept der unternehmensinternen Eigenkontrolle mittlerweile EU-weit durchsetzt. Die Zusatzausbildung "Betrieblicher Datenschutz" dauert zweieinhalb Semester, ist studienbegleitend und praxisorientiert angelegt und schließt mit einem Hochschulzertifikat ab.Das Ziel, das die Ausbildungskoordinatoren - die Juristin Marie-Theres Tinnefeld und der Mathematiker und Informatiker Klaus Köhler - im Auge haben, läßt sich so formulieren: Ein Betrieb muß organisatorische und technische Vorkehrungen treffen, wenn der rechtlich einwandfreie Umgang mit personenbezogenen Daten gewährleistet sein soll.Dazu kommen müssen ein Gespür für die gesellschaftspolitische Brisanz des Themas sowie die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Bei den Teilnehmern der Kurse fällt die Botschaft auf fruchtbaren Boden.Der Mehraufwand an Arbeit ist beträchtlich, sagen die Studenten, aber ebenso groß ist die persönliche und berufliche Bereicherung.Die Auseinandersetzung mit rechtlichen und informationstechnischen Zusammenhängen hilft ihnen, die eigenen Interessen als mündige Bürger in der Informationsgesellschaft zu erkennen und durchzusetzen.Sie werden sensibilisiert für Fragen der Intimsphäre und des Persönlichkeitsschutzes - gerade auch im Betrieb.Wichtig ist auch: Wer Beschäftigten mit anderen Spezialkenntnissen datenschutzrechtliche Fragestellungen nahebringen will, darf kein Fachchinesisch sprechen und muß bereit und fähig sein, im Team nach Lösungen zu suchen.Wer an der Münchner FH Informatik studiert, hat eine Pflichtvorlesung zum Datenschutz.Aber die Bedeutung des Themas wird vielen erst klar, wenn sie unter Anleitung die in den Praktika gesammelten Beobachtungen und Erfahrungen kritisch auswerten.Ein Beispiel: In Firma A.haben externe Kooperationspartner via Datenleitung Zugriff auf alle gespeicherten Informationen: Welche Gefahr bedeutet das für die Personaldaten? Wie ist sie zu vermeiden? Hier setzt die Zusatzausbildung an.Für Informatikprofessor Köhler ist entscheidend, daß die Studenten die gesellschaftliche Verantwortung für ihre spätere Tätigkeit lernen.Darum freut es ihn, wenn immer mehr von den "Technik-Freaks" teilnehmen.Denn sie, die angehenden Entwickler, sind es, die in der Praxis für viele datenschutzrechtliche Lücken eine Software-Lösung finden müssen.

Infomaterial: FH München, FB Informatik/Mathematik, Telefon 089/12 65 16 01, Fax 0 89/12 65 16 80,

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