Zeitung Heute : INNENSTADT ZEITWEISE HERMETISCH ABGERIEGELT: Deutsche randalieren in Lens

LENS (sid).Deutsche Hooligans haben vor und nach dem Weltmeisterschaftsspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Jugoslawien in Lens erneut ihr häßlichstes Gesicht gezeigt und für zahlreiche Ausschreitungen gesorgt.Unter den Randalierern befanden sich angeblich auch 430 Neonazis aus Hamburg.Die Innenstadt von Lens wurde von der Polizei schon in den Mittagsstunden hermetisch abgesperrt, erst kurz vor Spielbeginn wurde der Riegel dann allmählich gelockert.

Nach Angaben der Sicherheitskräfte wurden 30 Deutsche vorübergehend festgenommen.Darunter befanden sich auch 20 Skinheads aus der rechtsradikalen Szene.Deutsche Behörden hatten die französische Polizei auf die Einreise der Neonazis hingewiesen.Diese zeigten teilweise vor dem Stadion den Hitlergruß.

Die Polizei ging bei den zahlreichen Handgreiflichkeiten wiederholt mit Schlagstöcken gegen die Hooligans vor.Bei den Schlägereien wurde ein Polizist so schwer verletzt, daß er ins Krankenhaus eingeliefert werden mußte.Rund hundert Rowdies hatten schon am Morgen an einem Platz in der Stadt Schlägereien angezettelt.Nach nur wenigen Minuten schritt die Polizei ein und nahm die ersten Krawallmacher vorübergehend fest."Es ging rund, aber wir haben die Situation unter Kontrolle", erklärte ein Polizeisprecher.Auch deutsche und holländische Beamten befanden sich in Lens.Der Park vor dem Stadion Félix Bollaert wurde von der französischen Spezialeinheit CRS permanent kontrolliert.

Die Situation vor dem Stadion war bereits gegen Mittag eskaliert, mehrere deutsche Fans wurden in Handschellen abgeführt.Auch unmittelbar vor dem Bahnhof von Lens hatten deutsche Fans Auseinandersetzungen mit der Polizei begonnen.Ein "Anhänger" warf einen Stuhl in ein Cafe und löste damit die Randale aus.Die Polizei hatte die Situation zunächst schnell wieder im Griff.

Augenzeugen zufolge sollen sich die Ausschreitungen zunächst nur unter Deutschen abgespielt haben, bei den eskalierenden Streitereien ging es um Tickets.Mehrere tausend deutsche Fans reisten ohne Tickets nach Lens und sangen in den Straßen: "Merci, Platini." Bereits in dem Polizei-Bulletin gegen 13.30 Uhr hieß es in Lens: "Unter den Randalierern befinden sich bekannte Elemente aus der deutschen Hooliganszene."

Offenbar konnte deren Einreise trotz der Ankündigung des Bundesinnenministers Manfred Kanther (CDU), die Grenzkontrollen zu verstärken, nicht verhindert werden.Auch kurz vor dem Anpfiff des richtungweisenden Spieles der Mannschaft von Bundestrainer Berti Vogts dauerten die Provokationen der deutschen Hooligans an, die Polizeikräfte in Lens wurden weiter verstärkt, erst mit Spielbeginn wurde die Situation ruhiger.Auf dem Schwarzmarkt waren Tickets für das Spiel zwischen 300 und 400 Mark gehandelt worden.

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