Zeitung Heute : Intel legt Fabriken in den USA still

SAN FRANCISCO (lin).Intel leidet offensichtlich schwerer unter Überkapazitäten als bisher bekannt war.Der weltgrößte Hersteller von Computerchips will vom kommenden Sonntag an zwei Fabriken in Aloha im amerikanischen Bundesstaat Oregon für zehn Tage stillegen.Betroffen davon sind 1700 Mitarbeiter, die in dieser Zeit keinen Ausgleich für den Lohnausfall bekommen.Im Frühjahr hatte die Chip-Schmiede, deren Mikroprozessoren in rund 85 Prozent aller Personalcomputer laufen, bereits angekündigt, 3000 der weltweit 65000 Arbeitsplätze zu streichen.Allerdings sollten ausschließlich freiwerdende Stellen nicht mehr wiederbesetzt werden.Doch inzwischen wirbt der Konzern mit Abfindungen für freiwillige Kündigungen.

Nach Aussage der Semiconductor Industry Association (SIA) im kalifornischen San Jose ist die gesamte Branche von sinkenden Umsätzen und Überkapazitäten betroffen.Im Mai nahmen die Chip-Hersteller weltweit mit 9,9 Mrd.Dollar 3,9 Prozent weniger ein als im April.Im Vergleich zum Vorjahr liefen die Geschäfte sogar um 13 Prozent schlechter, wobei Europa mit einem Minus von 2,5 Prozent noch am besten abschnitt.Den wesentlichen Grund für den Umsatzschwund sieht die SIA in der Asienkrise.Intel macht daneben auch der Billigcomputer-Markt zu schaffen, der in dem Maße wächst wie die Preise sinken.Erst in dieser Woche hat der PC-Hersteller NetRam einen neuen Tiefpunkt gesetzt und einen Rechner auf den Markt gebracht, der mit Modem, Festplatte und einem 240 Megahertz schnellen Prozessor 499 Dollar kostet.Die Chips stammen von IDT, einem Billighersteller aus Kalifornien.

Marktführer Intel reagiert auf den verschärften Wettbewerb mit Preissenkungen in immer kürzeren Abständen.Anfang Juni verbilligte die Chip-Schmiede ihre PC-Prozessoren um bis zu 32 Prozent, vergangene Woche nahm sie die Preise für die zentralen Bausteine von mobilen Rechnern ebenfalls deutlich zurück.Analysten rechnen nun damit, daß Chips zum Jahresende für die Hälfte der heute verlangten Preise zu haben sind.

Intel muß sich darum wohl von den Traumrenditen der vergangenen Jahre vorerst verabschieden.Schon im ersten Quartal 1998 war der Umsatz von 6,4 auf 6 Mrd.Dollar gesunken.Der Gewinn brach von 2 auf 1,27 Mrd.Dollar ein.Intel-Sprecher hatten dieses Ergebnis im April als ein "vorübergehendes Problem" dargestellt.Doch für die in zwei Wochen anstehende Veröffentlichung der neuesten Quartalsergebnisse sagen die Analysten einen Ertrag vorher, der noch einmal um rund zehn Prozent niedriger liegt.Nun hofft die Branche auf die zweite Jahreshälfte, in der nach einigen Vorhersagen die Nachfrage wieder ansteigen soll.

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