Zeitung Heute : Intelligente russische Märchen Mode von Alena Akhmadullina

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Neu auf der Fashion Week: Designerin Alena Akhmadullina. ]Foto: promo
Neu auf der Fashion Week: Designerin Alena Akhmadullina. ]Foto: promo

Russische Designer werden nicht oft vom Blick der internationalen Aufmerksamkeit gestreift. Bei Mode aus Russland denken hierzulande immer noch viele „eng, knapp, glitzernd“. Alena Akhmadullina zeigt, dass russische Mode mehr kann und erntete dafür sogar wohlwollende Worte von der Vogue und der Modekritikerin Suzy Menkes. Stars wie Eva Green und Naomi Campbell trugen schon ihre Entwürfe. Nun haben das Modemagazin Elle und die Mercedes-Benz Fashion Week Akhmadullina nach Berlin geholt, wo sie heute ihre neue Kollektion präsentiert.

„Viele meiner Kundinnen sind berufstätige Frauen, denen es nicht darauf ankommt, ihr Geld und ihren Sexappeal aggressiv zur Schau zu tragen“, sagt Akhmadullina. „Neue Zeiten brechen an in Russland, viele wollen intellektuelle, schlichtere Mode.“ Und die muss auch nicht mehr unbedingt aus Mailand und Paris kommen. „Alena Akhmadullina, St. Petersburg“ steht auf den Etiketten in ihren Kleidern. Getragen werden sie in ihrer Heimat zum Beispiel von Rockstar Zemfira, von der ehemaligen Chefredakteurin der russischen „Vogue“ und sogar von Olympiasportlerinnen, für die sie 2008 die Kostüme entwarf.

Den Style à la Russe definiert Akhmadullina so: hochwertige Materialien, feminine Schnitte mit klaren Linien, die allerdings nicht kräftige Farben, Ornamente und aufwendige Stickapplikationen scheuen. Charakteristisch für Alena Akhmadullina sind kunstvolle, oft handgezeichnete Prints.

Als Inspiration dienen der 35-Jährigen meistens Märchen, die jedes russische Kind kennt: Geschichten über den Froschkönig oder die gastfreundliche Fliege Zokotucha. Von modernen Sagen, in denen Aschenputtel zur Oligarchengattin im roten Mini-Tubedress von Gucci wird, hält sie aber nicht viel.

Als Leitmotiv für die Winterkollektion 2015 diente der Designerin dieses Mal allerdings kein russisches Märchen, sondern „Das Gespenst von Canterville“ von Oscar Wilde. Sie übersetzte den Herrenanzug in die Damenmode und präsentiert auch feminine Kleider mit Schultertüchern und Spitze. Doch auch wenn sie sich diesmal von einer englischen Erzählung inspirieren ließ – ihren Wurzeln will Akhmadullina treu bleiben: „Ich bin eine russische Designerin – und wie!“ Wlada Kolosowa

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