Zeitung Heute : Intels neuer Umgang mit Versionsnummern

KURT SAGATZ

Nun werden sie also bald wieder überall zu sehen sein, die silbrig glänzenden "Reinstraum"-Werbeträger von Intel, die via Fernsehscreen und Werbeanzeige die "Intel inside"-Fahne für den neuen Pentium-III-Prozessor hochhalten.Schon lange wissen nicht nur die PC-Freaks, daß Spiele die ultimativen Hardwaretester sind und daß vor allem die schicken Multimedia-Fähigkeiten aus grauen Rechenknechten Entertainment-Maschinen werden lassen.Auch der neue Pentium, der bislang nur unter seinem Codenamen "Katmai" bekannt war, paßt in diese Strategie, schließlich soll der Chip - ausgerüstet mit 70 zusätzlichen Befehlen - gerade in diesem Anwendungsbereich für mehr Leistung sorgen soll.Man darf also gespannt sein, mit welchen optischen Argumenten Intel die Kundschaft überzeugen will, ein weiteres Mal in neue Hardware zu investieren.

Der offizielle Name für den neuen Prozessor suggeriert dabei einen Quantensprung in der Leistung, der so kaum der Realität standhalten dürfte.Während sich der Pentium II nicht nur äußerlich, sondern auch in der inneren Architektur signifikant von seinem Vorläufer unterschied, liegt der Unterschied nun gerade einmal in der Hinzunahme der Multimedia-Erweiterungen, die von Intel mit dem Begriff MMX-2 umschrieben werden.Auch beim ersten Pentium hat es solche Erweiterungen gegeben, doch damals hat es Intel ausgereicht, hinter die Klassenbezeichnung Pentium das MMX zu setzen.Diese Bescheidenheit schien diesmal nicht opportun, es mußte schon ein Major Release, also die Schaffung einer neuen Versionsnummer, sein.

Technologisch angebracht ist dieser Namens-Sprung freilich erst im nächsten Jahr, wenn Intel mit dem derzeit noch "Merced" heißenden Prozessor auf den Markt kommen will.Bei diesem Chip wird Intel den Wechsel von der 32-bit- auf die 64-bit-Architektur vollziehen, was eine merkliche Leistungsverbesserung erwarten läßt.Allerdings peilt der Chiphersteller damit zumindest am Anfang nicht den Massenmarkt an, Merced soll seinen Dienst zum Start vor allem im Serversegment erledigen.

Den meisten Verbrauchern dürfte es freilich egal sein, ob der Pentium III eigentlich nur ein Pentium II MMX-2 ist.Wer entweder beruflich viel mit Grafikprogrammen arbeitet oder privat immer die neuesten Spiele laufen lassen will, orientiert sich quasi automatisch an den jeweils neuesten Prozessortypen.Ein Austausch von Prozessor und Hauptplatine einmal pro Jahr gehört für diese Nutzergruppe zum normalen Verfahren.Für die übrigen Verbraucher wichtiger ist freilich, daß der Pentium III trotz der Erweiterungen billiger sein wird als sein Vorgänger.Allein dies ist ein guter Grund, mit dem Kauf eines neuen Rechners noch etwas zu warten.

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