Zeitung Heute : Intergalaktische Silberscheiben

CHRISTIAN BLEES

Ob Star Trek, UFOs oder eigene Weltraum-Missionen ­ interaktive CD-ROMs erobern das WeltallVON CHRISTIAN BLEES ­Überirdische Phänomene und intergalaktische Weltraumepen finden nicht nur hierzulande garantiert ihr Massenpublikum.Egal, ob als Kinofilm, Fernsehserie oder Buch: Aliens, UFOs, Akte X & Co.versprechen den Produzenten jeweils satte Umsätze.So kann es kaum verwundern, daß im CD ROM-Zeitalter auch immer mehr entsprechende Silberscheiben auf den Markt geworfen werden, um die Fans multimedial bei der Stange zu halten.Dabei beschränkt sich das Angebot jedoch erfreulicherweise keineswegs auf das jeweilige "Spiel zum Film" beziehungsweise zur Serie, sondern hält mitunter auch durchaus nützliche und zudem ansprechend aufbereitete Zusatzinformationen parat. "Der Weltraum: unendliche Weiten." Mit diesen Worten wurden deutsche Fernsehzuschauer ab Anfang der 70er Jahre begrüßt, sobald sie sich an Bord der "U.S.S.Enterprise" begeben wollten, um deren Abenteuer mitzuerleben.Der Rest ist bekannt: Keine andere Science-Fiction-Serie hat bis heute einen vergleichbaren Kultstatus erreicht wie Star Trek.Über 20 Jahre nach Ausstrahlung der ersten Episode im ZDF liegt nun endlich das ultimative, multimediale Nachschlagewerk zu Captain Kirk & Co.sowie den Sequels ("The Next Generation", "Deep Space Nine", "Voyager") auf insgesamt vier CD-ROMs vor.Daß dieses komplett auf Englisch abgefaßt ist, dürften wohl nicht nur hartgesottene, klingonisch sprechende "Trekkies" angesichts der hohen Produktqualität durchaus verkraften."The Star Trek Encyclopedia" (NBG; 99,95 DM) weiß mit Hilfe von Episode-Guides, Sach- und Personenlexikon, einer breit gefächerten Chronologie sowie mehreren hundert Videoclips auf alles eine Antwort, was Fans bisher kaum zu fragen wagten.Einziges Manko neben dem mitunter etwas nervigen, weil oft zu vollziehenden Scheibenwechsel: Sämtliche Auskünfte bleiben auf das Film-Universum beschränkt.Detaillierte Informationen zu real existierenden Dingen wie beispielsweise Biographien der wichtigsten Schauspieler sucht man vergebens.Einzige Ausnahme in dieser Hinsicht ist eine kleine Star Trek-Produktionsgeschichte, in deren Verlauf im übrigen auch Serienschöpfer Gene Roddenberry mit einigen Zeilen gewürdigt wird. Bereits einige Jahre mehr als die Erfolgsgeschichte des Raumschiffs Enterprise hat die Historie der UFO-Sichtungen auf dem Buckel.Somit scheint auch für sie ein eigenes CD-ROM-Nachschlagewerk durchaus angebracht.Daß "UFO ­ Die Beweise für ein Phänomen" (Komplett-Video; 49,95 DM) mit wesentlich weniger multimedialem Schnickschnack daherkommt als die Star Trek-Discs, überrascht nicht: Zum einen verfügt der eingetragene "Verein zur wissenschaftlichen Untersuchung von anormalen atmosphärischen und Radar-Erscheinungen" als Herausgeber kaum über die finanziellen Mittel der Paramount Pictures, zum anderen ist seriöses Filmmaterial zum Thema UFO nach wie vor eher spärlich gesät.So beschränken sich die wenigen Clips der CD-ROM auf vereinzelte Aufnahmen fliegender Untertassen, deren Wert aufgrund ihrer Kürze und mangelnden Schärfe ohnehin fragwürdig bleibt. Hilfreicher, bisweilen leider etwas dröge aufbereitet, ist der Textteil geraten.In ihm lassen sich zahlreiche Details zu Themen wie "militärische Untersuchungen" oder "UFO-Eigenschaften" sowie eine Menge statistischer Fakten abrufen.Nicht zuletzt angesichts des relativ bescheidenen Preises vermittelt die Scheibe insgesamt jedoch einen durchaus positiven Gesamteindruck.Besonders angenehm fällt in diesem Zusammenhang auf, daß die Autoren durchweg um eine distanzierte Herangehensweise an das Thema bemüht sind und jegliche Sensationsmache vermeiden.So entlarven sie zum Beispiel die in Fan-Kreisen sagenumwobene Bergung eines vor 50 Jahren im amerikanischen Roswell angeblich mit seinem Raumschiff gestrandeten Außerirdischen als Havarie eines militärisch genutzten Satelliten.Allzu abgehobene, aliengläubige Zeitgenossen werden durch die vorliegende UFO-Enzyklopädie insofern vielleicht etwas schmerzhaft auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Vollends in unendliche Höhen durchstarten können nicht nur sie indes mit dem Space Shuttle "Parsec" (United Soft Media; 79,90 DM).Unter wissenschaftlicher Mitarbeit von Astronaut Ulrich Walter ist eine Scheibe entstanden, die das Herz jedes Weltraum-Freaks höher schlagen lassen dürfte.Wer schon immer einmal davon geträumt hat, Captain Kirk am Schaltpult der Brücke abzulösen und ein Raumschiff eigenhändig zu steuern: Hier ist es möglich.Gefüttert mit allen erdenklichen Daten aus den Weiten des Alls absolviert das Shuttle die vom User vorgegebenen Missionen.Egal ob ein Kurztrip zum Mond (auf Wunsch ist sogar der Original Apollo-11-Flug abrufbar) oder an den Rand unseres Sonnensystems: Die Illusion einer tatsächlichen Sternenreise ist nahezu perfekt.Zwar lassen sich die einzelnen Strecken auch in Echtzeit abwickeln, aber spätestens beim Marsflug dürften die meisten Bordkommandanten erleichtert von der "Zeitsteuerung" Gebrauch machen, die die Reisegeschwindigkeit nahezu beliebig erhöht.Und wem es an Bord trotzdem langweilig zu werden droht, der startet entweder eine Erkundungssonde oder begibt sich in die Bibliothek, um sich anhand dreidimensionaler Trickaufnahmen umfassend über Planeten und Monde zu informieren."Faszinierend" urteilt folgerichtig Herbert Weicker.Die deutsche Synchronstimme von "Mister Spock" haben die Macher des Programms ironischerweise als "Bordlautsprecher" und Bedienungshilfe auserkoren.

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