Zeitung Heute : Internet als direkter Draht zur Bank

ANJA MÜLLER (DM)

Bankgeschäfte sind lästig, findet Iris Hoffmann: "Ich komme praktisch nie rechtzeitig zu meiner Filiale." Deswegen erledigt die Büroangestellte nun Überweisungen und Daueraufträge unabhängig von den Öffnungszeiten per Mausklick.

Mehr als vier Millionen Deutsche nutzen mittlerweile den direkten Draht zur Bank.Und wie Iris Hoffmann sind sie keinesfalls nur Computerfreaks.Geldgeschäfte am Computer kosten oft weniger als in der Filiale.Und anders als der reale Schalter ist der virtuelle auch noch spätabends geöffnet.

Wer früher solche Angebote nutzen wollte, mußte zu einer Direktbank wechseln.Heute kann er bei seiner Hausbank bleiben, denn immer mehr Banken und Sparkassen bieten ihre Dienstleistungen direkt im Internet an.Vor dem Schritt ins Netz sollten sie sich jedoch genau überlegen, welche Dienste sie nutzen wollen.Gebühren und Leistungen der einzelnen Institute unterscheiden sich erheblich.Die Direktbanken bieten häufig nur einfache Standard-Produkte an, um Beratungsaufwand und Kosten zu minimieren.Einzig die Advance Bank legt Wert auf Beratung.Alteingesessene Institute dagegen, die zusätzlich Homebanking anbieten, empfehlen bei komplizierteren Fragen ein Gespräch in der Filiale.

Auch bei den Gebühren demonstrieren Banken und Sparkassen Handlungsspielraum.Während die Berliner Bank beispielsweise Kontoführungsgebühren von neun DM im Monat berechnet, wird das Konto bei der Advance Bank kostenlos geführt.Verlangt die Commerzbank 79 DM für die nötige Homebanking-Software, stellt die Dresdner Bank die Startausrüstung für 18 DM zur Verfügung.Allerdings: Abhebungen an Geldautomaten sind nicht immer kostenlos.Die Bank GiroTel löste das Problem durch Kooperation mit Aral und Esso.An 750 Tankstellen können Kunden jetzt nicht nur ihr Auto, sondern auch ihre Geldbörse auftanken.Weiteres Auswahlkriterium ist die Erreichbarkeit, denn selbst eine Direktbank garantiert keinen 24-Stunden-Service.So sind die comdirect-Berater nur von acht bis 22 Uhr für die Kunden erreichbar.Außerdem verlangen die Banker unterschiedliche Telefon-Gebühren: Kunden der Bank 24 zahlen 24 Pfennig pro Minute, bei der Direkt Anlage Bank nur zwölf Pfennig je Anruf.

"Ganz ohne Papierkrieg geht selbst der Umstieg auf ein Online-Konto bei der Hausbank nicht", sagt Iris Hoffmann.Einen Tag nach dem ersten Telefonat kam der Brief mit Anmeldung und Geschäftsbedingungen für das Internet-Banking.Nach drei weiteren Tagen traf die fünfstellige Geheimnummer ein, dazu der erste Satz der sogenannten Transaktions-Nummern (TAN).Bei jeder Buchung verlangt die Bank zusätzlich eine TAN als Legitimation.Jede TAN kann nur einmal verwendet werden.Ist der erste Satz aufgebraucht, schickt die Bank automatisch neue Nummern.Papierintensiver ist der Wechsel der kompletten Kontoverbindung zu einer Direktbank.Sind die Formalitäten erledigt, wird es einfach.Nach der Eingabe von Internet-Adresse oder einem Klick auf den T-Online-Knopf, Kontonummer und Geheimcode (PIN) ist der Blick auf das Konto frei.Kleiner Schönheitsfehler: Wer seine Kontoumsätze täglich kostenlos im Blick hat, vergißt den Gang zum Kontoauszugsdrucker.Die Bank jedoch ist verpflichtet, dem Kunden nach sechs Wochen die Auszüge zuzuschicken - plus Porto und Bearbeitungsgebühr.Online-Kunden müssen daher schriftlich auf die Erstellung der Auszüge verzichten, wenn sie die zusätzlichen Kosten vermeiden wollen.Das Problem: Das Finanzamt erkennt nur Kontoauszüge der Bank, nicht jedoch selbsterstellte Bildschirmausdrucke an.

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