Zeitung Heute : Internet-Boykott geht in die Schlußphase

Unter dem Motto "User gegen Wucher" wollen Internet-Surfer in Deutschland gegen die Tarife der Deutschen Telekom AG protestieren.Bundesweit soll an diesem Sonntag das Internet "bestreikt" werden.Die selbsternannten Web-Aufrührer rufen dazu auf, am Sonntag nur dann ins Internet zu gehen, wenn es beruflich notwendig ist.Vorbild für die Aktion mit dem Ziel einer Senkung des City-Tarifs der Telekom ist ein vergleichbarer Boykott in Spanien.

Der harte Kern der Online-Rebellen ist der "Darkbreed e.V." aus Karben bei Frankfurt.Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluß von 20 Jugendlichen im Alter von 18 bis 22 Jahren, die sich intensiv mit dem Internet beschäftigen und die Telekom zum Überdenken ihrer Preispolitik bewegen wollen.Sie prangern auf ihrer Homepage ( www.gamespy.de/internetstreik/ ) an, daß es in den vergangenen Jahren zwar zahlreiche Senkungen bei Ferngesprächs-Tarifen gegeben habe.Der für die Internet-Nutzung relevante City-Tarif sei jedoch gestiegen.Angestrebtes Ziel ist ein Preis von maximal einer Mark Telefongebühren pro Online-Stunde.Momentan sind, je nach Tageszeit, bis zu 4,84 DM zu berappen.

Nach Angaben von Thomas von Treichel, dem "Darkbreed"-Sprecher, haben sich eine Woche vor Aktionsbeginn 500 000 Surfer im Internet bei "Darkbreed" über die Ziele des Boykotts informiert.Ob die damit zu erwartende Boykottbeteiligung von etwa zehn Prozent der Internetgemeinde ausreicht, um die Telekom zu beeindrucken, erscheint fraglich.Fest steht nur, daß am Sonntag im Berliner Tempodrom ab 14 Uhr die zentrale Streikparty steigen wird.

Von Treichels Angaben zufolge wollen sich die Betreiber einiger hundert Internet-Angebote aktiv am Boykott beteiligen und am Sonntag ihre Seiten aus dem Netz nehmen.Statt des kompletten Angebots soll jeweils nur eine einzige Seite mit einer Streikerklärung abrufbar sein.

Telekom-Sprecher Ulrich Lissek sieht der Aktion gelassen entgegen: "Die Zahl der Sites, die vom Netz genommen werden, ist in der Relation zu seiner Größe nur sehr gering." Von einem möglichen Einlenken der Telekom will er nichts wissen."Unsere Tarife sind nicht zu teuer.Im Gegenteil: Sie halten jedem internationalen Vergleich stand."

Doch innerhalb der Deutschen Telekom AG scheint man inzwischen eingesehen zu haben, daß die Online-Tarife gesenkt werden müssen.Der Regulierungsbehörde werden demnächst sogenannte Optionstarife für Internet-Nutzer zur Genehmigung vorliegen.Mit ihnen könnten Online-Teilnehmer voraussichtlich gegen eine geringe Anhebung der monatlichen Grundgebühr die Zugangsrechner zum Internet zu wesentlich geringeren Verbindungspreisen als den bisher angelegten Ortstarifen des Telekom-Festnetzes erreichen.

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