Zeitung Heute : Internet-Idee begeistert Investoren

Felicitas Hoffmann

Restposten ab sofort im Internet - das war es, was die Einladung zur Präsentation einer neuen Geschäftsidee gestern im Haus der Deutschen Wirtschaft zu versprechen schien. Dort angekommen, wurden die Erwartungen schnell revidiert: Die jung-dynamische Firma surplex.com AG aus Düsseldorf wendet sich nicht an Otto-Normalverbraucher, sondern setzt auf den Business-to-Business-Markt im Internet. Während sich die Verbraucher dem E-Commerce noch nicht richtig öffnen wollen, packt die Wirtschaft die neue Option des elektronischen Handels immer öfter am Schopf. Weltweit soll der Gesamtmarkt des Internet-Handels von ca. 206 Milliarden Mark in 1999 auf über 2500 Milliarden Mark im Jahr 2003 wachsen, sagt das renommierte US-Consulting-Unternehmen Forrester. Gehandelt wird unter surplex.com mit überschüssigen Wirtschaftsgütern, also gebrauchten Maschinen, Werkzeugen und Materialen.

Den Vorstand bilden vier Yuppies, alle unter 30, alle mindestens viersprachig und in Paris, New York, Oxford oder Los Angeles zu Hause gewesen. Die Namen: Bruno und Florian Schick, Sean Glodek und Rory Devlin. Ihre Beobachtung: Überschüssige Wirtschaftsgüter sind für Unternehmen ein Problem, denn mit ihnen häufen sich Wartungs-, Lager- und Transportkosten an. "Wir alle sind über die Flure verschiedener Unternehmen gewandelt", erzählt Peter Fischer, Marketingleiter der jungen Internetfirma,"sie glauben nicht, was da für Kapital brach liegt." Will man das gebundene Kapital freisetzen, so stellt sich folgende Schwierigkeit, meint Bruno Schick:" Verkäufer finden nicht die richtigen Käufer, Käufer nicht die richtigen Artikel." Hier setzt Surplex.com mit ihrem Online-Handelsplatz an, der Marktführer in Europa werden will.

Immerhin, die namhaften Investoren scheinen daran zu glauben. Paolo Fresco, Präsident von Fiat ist ebenso dabei wie John Elkann, Vorstandsmitglied beim italienischen Autoproduzenten. Die Fraktion der Jungunternehmer vertreten der umtriebige Lars Windhorst und der noch eher unbekannte Sohn von Drogerie-Schlecker. Sie sind auch beide Mitglieder des Aufsichtsrates der Surplex AG. Windhorst, immer noch mit der jugendlichen Ausstrahlung eines Bill Gates vor 20 Jahren, aber der Rhetorik eines alteingesessenen Unternehmers durchaus nahekommend, haben die Qualitäten der Team-Mitglieder der Surplex AG überzeugt. Lars Schlecker, erstmals mit der Verantwortung eines Aufsichtsratspostens betreut, meint: "Ich glaube ans Internet." Wenn das kein Grund ist.

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