Zeitung Heute : Internet-Portale: Die Großen werden überleben

Kurt Sagatz

Der Abwärtstrend bei den Technologiewerten des Neuen Marktes hinterlässt auch bei vielen Internet-Portalen Spuren, da ist sich Christian Hellmann, Vorstandschef der Tomorrow Internet AG (TIAG), sicher. Besonders bei jenen Portalen, die sich hauptsächlich über die Werbeerlöse aus dem Bannerverkauf an eben diese High-Tech-Titel finanziert haben, prognostiziert er eine eher düstere Zukunft. Ganz im Gegensatz zu seinem eigenen Unternehmen, denn Hellmann ist sich ebenfalls sicher, dass sich der Hauptverkehr der Internet-Nutzer auf eine kleine Zahl von attraktiven Online-Portalen konzentrieren wird, wozu er unter anderem die zur TIAG gehörenden Websites von tvspielfilm.de, cinema.de, tomorrow.de oder max.de zählt.

Doch an den Märkten sind derzeit nicht allein Worte, sondern vor allem Taten - genauer gesagt: wirtschaftliche Fakten - gefragt. Das wohl wichtigste Signal in Richtung Börse lautet: Bereits im dritten Quartal des Jahres soll der vorgezogene Break even erreicht werden, also der Punkt, an dem mehr eingenommen als ausgegeben wird. Seine Zuversicht zieht Hellmann daraus, dass bereits im Jahr 2000 die Umsätze kräftiger gestiegen sind als zunächst prognostiziert. Selbst die erhöhte Umsatzerwartung von 21 Millionen Mark wurde überschritten, Ende des Jahres stand ein Umsatz von 30 Millionnen Mark in den Büchern.

Einen Grund, warum dieser Trend auch im laufenden Jahr anhalten wird, sieht der Vorstandschef im weiter stürmischen Wachstum im noch relativ jungen Geschäftsfeld Syndication. Gemeint ist damit der Weiterverkauf von Inhalten der Tomorrow Internet AG, die die Verwertungsrechte an den Inhalten der dahinter liegenden Printprodukte innehat.

Zu Geld wird dieser Content gemacht, in dem die TIAG Kunden wie E-Plus oder Tele 2, aber auch Old Economy-Firmen wie Unilever, mit aktuellen Inhalten für deren eigene Internet-Angebote beliefert. Eine Homepage lebt davon, dass die Nutzer durch immer neue News bei der Stange gehalten werden. Dafür jedoch eine eigene Redaktion aufzubauen, ist erheblich teurer als der Zukauf der Inhalte. Bereits im letzten Jahr erlöste die TIAG damit rund zwei Millionen Mark, in diesem Jahr sollen es sieben Millionen werden.

Die Steigerung der Einnahmen ist die eine Seite. Hierzu zählt auch die Erhöhung der Werbeeinahmen, nicht zuletzt dadurch, dass mehr Internet-Nutzer auf die Seite gezogen werden und sich somit die Zahl der Seitenabrufe erhöht. Positiv aus Sicht der TIAG ist auch, dass immer mehr Unternehmen der alten Wirtschaft Werbung schalten.

Die andere Seite besteht dagegen in einer Optimierung des Tagesgeschäfts. Umstrukturierung, Effektivierung - dies sind die dazu gehörigen Vokabeln, die zu einem Abbau der Online-Redaktionen um 25 Mitarbeiter führen, nachdem zuvor die Belegschaft von 70 auf rund 180 angewachsen war. Vor allem im zentralen Bereich, also bei der Bildrecherche sowie dem Content- und Projektmanagement wird nun eingespart. Zugleich werden einige bis dato eigenständige Bereiche wie Nachrichten, Musik, Spiele, Chats zentralisiert und dienen künftig als Zulieferer der anderen Marken.

Der ganz große Pluspunkt von TIAG ist die Zusammenarbeit mit dem Milchstraßen-Verlag, der mit seinen acht Printtiteln nicht nur die Inhalte für das Online-Angebot liefert, sondern auch als Werbeplattform für die Internet-Portale eine unschätzbare Rolle spielt. Besonders offensiv wird dieses Cross-Media-Marketing bei der Zeitschrift "Max" betrieben, die seit letztem Jahr die Verbindung mit dem Internet sogar im Titel (" www.Max.de ") des gedruckten Magazins hervorhebt und mit zahlreichen Verweisen im Heft unterstreicht.

Doch nicht nur am Bestehenden arbeiten die Hamburger. Neu hinzu kommt im Januar die Tomorrow New Media Gmbh als Tochter der Aktiengesellschaft. Hier sollen alle wichtigen Zukunftsfelder angegangen werden. Hellmann zählt hierzu die Themen WebTV und Electronic Programs Guides (EPG) für das Digital-Fernsehen. So werden die Inhalte und Programme für Mediavision über die d-box nach dem Start von der Tomorrow Internet AG geliefert. Und dies nicht nur mit Text-Informationen, sondern auch multimedial über entsprechende Filmtrailer.

Ein weiteres Geschäftsfeld der neuen Gesellschaft werden ASP-Anwendungen sein, bei denen die Kunden nicht vorgefertigte Programme kaufen, sondern diese bei Bedarf vom Internet-Rechner der Tomorrow-Tochter ablaufen lassen, was genau wie der Zukauf von Inhalten nach dem Syndication-Modell für die Kunden billiger ist als die eigene Programmierung oder der komplette Kauf der Programme. Zu den wichtigsten neuen Feldern zählt Hellmann gleichwohl den Bereich Mobiles Internet. Besonders in der Kombination von neuen Bezahlformen per Handy in Kombination mit neuen Inhalten, die sich wiederum aus den Beständen der TIAG speisen, sieht er ein enormes Potential.

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