Zeitung Heute : Internet-Seiten von www.holocaust-denkmal-berlin.de dienen nicht zuletzt dem Spendensammeln

Kurt Sagatz

Ein Blick auf die Homepage von www.holocaust-denkmal-berlin.de reicht aus, um sich des steinigen Weges zur Errichtung eines Mahnmals für die ermordeten Juden in Europa bewusst zu werden. Ein Bild, ein Zitat - mehr enthält die erste Seite, die Visitenkarte, nicht. Der Entwurf des Architekten Peter Eisenman als Schwarz-Weiss-Fotografie und ein Brandt-Zitat - "Unsere Würde gebietet einen unübersehbaren Ausdruck der Erinnerung an die europäischen Juden" - sollen zeigen, dass die am Donnerstag von Lea Rosh, Tilman Fichter und Lothar C. Poll freigeschaltete Seite den Nutzer nicht überforden soll. Wobei dies gleichermaßen technisch als auch emotional gemeint ist.

Die eigentliche Site - also die weiterführenden Seiten - beginnt gleich hinter dem Bild vom Eisenman-Entwurf. Einen Mausklick weiter erkennt der Internet-Besucher den Hauptzweck des Online-Engagement des "Förderkreises zur Errichtung eines Denkmals für die ermordeten Juden Europas e.V.": Spendenauruf, dieses Wort prangt über dem Bild des "Förderturms" Ecke Behrenstraße/Ebertstraße, wo der Förderkreis seit Jahren Spenden für das Mahnmal sammelt. Ein Drittel der Bausumme von 15 Millionen Mark will der Förderkreis durch Spenden aufbringen, um durch die "Beteiligung möglichst vieler Leute eine möglichst große Akzeptanz des Denkmals in der Gesellschaft" zu erreichen, wie Tilman Fichter anläßlich des "virtuellen Spatenstichs" ausführte. Dem Förderkreis gehören derzeit rund 120 Mitglieder an.

Noch ist der Förderkreis zumindest von dem Ziel, fünf Millionen DM einzusammeln, weit entfernt (siehe auch Bericht auf Seite 12). Nun soll das Internet weiterhelfen. Wie auch beim Web-Benefiz-Konzert NetAid kann über www.holocaust-denkmal-berlin.de direkt gespendet werden. Zwar wird auf der Website auch die Kontoverbindung mitgeteilt, doch einfacher geht es allemal per Kreditkarte, wobei Plastikgeld von Eurocard, Mastercard und Visa akzeptiert wird. Und wer es noch moderner will, zahlt mit Cybercash. In jedem Fall kann eine Spendenbescheinigung angefordert werden, allerdings erst ab 20 DM, da sonst die Kosten für Porto etc. zu hoch seien, wie Lea Rosh anmerkte.

Finanziert wurde der Online-Auftritt je zur Hälfte vom Förderkreis und dem Internet-Provider Com.Box, der auch für die Gestaltung und technische Abwicklung zuständig ist, wie Unternehmenssprecher Alexander Ross sagte. Allein in Deutschland beschäftigen sich rund 1000 Internet-Seiten mit der Mahnmal-Diskussion, so Ross, sowohl mit der politischen Seite als auch mit architektonischen Aspekten.

Neben dem Spendenaufruf, der auch in der Navigationsleiste an erster Stelle steht, soll die Website natürlich auch über das Vorhaben zur Errichtung des Berliner Holocaust-Denkmals selbst informieren. Unter "Denkmal" wird der Weg von der Gründung der Bürgerinitiative über die zwei Wettbewerbe bis zum Bundestagsbeschluss am 25. Juni 1999 und dem ideellen Spatenstich am 27. Januar - dem Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz - nachgezeichnet. Auf der Seite zur Geschichte des Vereins stellt sich der Förderkreis mit einem Auszug aus dem Rosh-Buch "Die Juden, das sind doch die anderen" vor.

Auch wenn die neue Internet-Präsenz derzeit nur einen Bruchteil der Möglichkeiten des World Wide Webs nutzt (eine englische Version soll in der nächsten Woche online gehen), verbreitet der Förderkreis über die Internet-Adresse auch Neuigkeiten und Mitteilungen. Derzeit findet sich unter "Aktuelles" ein Hinweis auf das Benefiz-Konzert am 30. Januar, das bereits jetzt ausverkauft ist und deshalb zu einem späteren Zeitpunkt wiederholt wird. Der Termin dazu wird natürlich auch dort veröffentlicht.

Im Internet können bekanntlich die verrücktesten Dinge umgesetzt werden. Gästebücher, Chats, Meinungsumfragen sowie die Veröffentlichung von Spendern und der Gesamtspendenhöhe sind dabei noch durchaus ernstzunehmende Optionen. In welcher Weise und wie schnell die Mahnmal-Seite erweitert wird, hängt dabei nach Roshs Worten von der Resonanz auf das Angebot ab. Derzeit sind die Möglichkeiten zu begrenzt, um die Seiten beispielsweise zu einem Online-Dienst auszubauen. "Dazu bräuchten wir ein Büro mit drei Mitarbeitern", so Lea Rosh, die bereits jetzt wie ihre Kollegen vom Förderkreis die Wochenenden in den Dienst des Mahnmal-Vorhabens stellt. Zugleich sieht der Förderkreis aber auch noch andere Grenzen des Online-Auftritts: Merchandising nach US-Vorbild wird auch künftig nicht auf die Seiten kommen, ist sich Fichter sicher: "Den Eisenman-Aschenbecher über das Netz wird es nicht geben."Berliner Mahnmal: www.holocaust-denkmal-berlin.de

Yad Vashem Gedenkstätte, Jerusalem: www.yad-vashem.org.il

Holocaust Memorial Museum Washington: www.ushmm.org

Steven Spielbergs Shoa Foundation: www.vhf.org

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