INTERVIEW : „Die Rolle hat mich ständig an mein eigenes Versagen erinnert“

Der Film wirkt wie ein passgenaues Gleichnis auf Ihre eigenen Triumphe in den achtziger Jahren und Ihr Versagen in den neunziger Jahren.

Das war im Grunde nur ein Zufall, aber ich weiß natürlich, dass oft darüber geredet wird, wie viel

aus meinem Leben in diesem Film steckt. Und es steckt auch sehr viel davon drin, was ich mir selbst oft genug eingestehen musste, und genau das hat mich auch lange abgeschreckt. Ich war sogar erleichtert, als mir die Rolle weggenommen wurde und von Nic Cage gespielt werden sollte, weil sie mich ständig an meine eigene Geschichte und mein eigenes Versagen erinnert hat.

Empfinden Sie „The Wrestler“ selbst als Comeback?

Ich weiß gar nicht, wie ich es in Worte fassen kann. Es wird so

oft über Comebacks geredet,

aber was bedeutet das Wort? Man kann zurückkommen von

einem Besuch beim Imbiss unten an der Straßenecke, man kann aus dem Irak zurückkommen, wo man beide Beine verloren hat, oder man kommt nach einem Blowjob wieder zu sich. Jedes Comeback ist anders. Mein eigenes kommt nach 14 Jahren in

der Versenkung. Und zum Glück hatte ich hier einen Regisseur, der sich für mich eingesetzt hat und deswegen den Film mit einem geringeren Budget machen musste.

Was haben Sie ihm als Gegenleistung gegeben?

Etwas, das ich sehr, sehr lange niemandem gegeben habe. Alles, was ich kann und bin. Er hat mich wieder daran erinnert, warum ich als junger Mann der beste Schauspieler werden wollte, der ich sein kann. Es ist ein tolles Gefühl, es einfach zu bringen.

Und wie fühlt es sich an, Preise zu bekommen, gefeiert und ernst genommen zu werden?

Ich bin sehr zufrieden und dankbar. Vor 16 Jahren hätte ich darauf verächtlich gepfiffen, weil ich sowieso dachte, dass ich besser als alle anderen bin. Heute kann ich ohne Erwartungen dankbar sein. Ich habe mir ungefähr 15 Jahre lang auf der Strafbank den Hintern wundgesessen und bin

einfach nur froh, wieder mitspielen zu dürfen. AlSo

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