INTERVIEW : „Durch gute Pointen kommen Konflikte besser zur Geltung“

Sie waren mit „Juno“ sogar für den Oscar nominiert. War Ihnen klar, dass der Film ein Erfolg werden würde?

Gar nicht. Ich hatte mit ein paar Festivals gerechnet, mit einem gewissen Achtungserfolg vielleicht. Aber das Ganze ist ja geradezu explodiert. Es geht über alles hinaus, was ich mir vorstellen konnte.

Der Komödienzeitgeist wird im Augenblick von einfühlsamen Komödien beherrscht ...

Stimmt. Ich glaube, es hat tatsächlich mit Tarantino und P. T. Anderson in den Neunzigern angefangen. Mit Wes Anderson und den Coen- Brüdern bis zu einem gewissen Grad. Es gab eine Reihe von Regisseuren, die eher nachdenkliche Komödien gemacht haben. Komödien wurden auf einmal auch auf Filmfestivals gezeigt und bekamen Auszeichnungen. Es gab eine Evolution in der Akzeptanz von Komödien. Ich habe sie nicht losgetreten, darf aber auf der Welle reiten, was ich als großes Glück sehe.

Hatten Sie Angst, in die Fußstapfen ihres Vaters Ivan Reitman zu treten, der zu den wichtigsten USKomödienregisseuren gehört?

Ich hatte solche Angst, dass ich erst Arzt werden wollte. Mein Vater hat mich dann im College besucht und gefragt, was ich da eigentlich mache. Für mich war es so, dass ich – wie jeder andere – die Söhne irgendwelcher berühmten Leute, die das gleiche machen wie ihr Vater, erst mal für Idioten halte. Verwöhnt, verzogen, drogenabhängig – daran denkt man zuerst. Aber er hat mir den Rat gegeben, dass ich meinem Herz folgen soll, und so bin ich dann zurück nach L. A. an die Filmschule gegangen.

Gibt es in Sachen Humor Ähnlichkeiten zwischen Ihnen und Ihrem Vater?

Wir haben einen anderen Sinn für Humor. Seiner ist etwas breiter angelegt. Ich mag etwas sensiblere Themen. Ich glaube, dass man sich über Humor wirklich jedem Thema nähern kann, dass sich durch gute Pointen Konflikte deutlicher abzeichnen und ein Thema ohne Didaktik aufbereitet werden kann. Nehmen sie Kubrick: Er hat versucht, ein Drama über den Kalten Krieg zu machen, aber es ist ihm nicht gelungen. Er musste mit „Dr. Seltsam“ eine

Komödie machen. AlSo

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