Zeitung Heute : Intifada an der Seine

Der Tagesspiegel

Wenn Chirac und Jospin nach den massiven Übergriffen auf Synagogen in Frankreich geloben, dass jüdische Einrichtungen künftig besser geschützt werden sollen, wissen sie: Das ist nur eine Seite der Medaille. Auch die französische Politik trägt Mitschuld an dem Dilemma: Die Integration von sechs Millionen Muslimen ist nicht unbedingt geglückt. Seit Jahren werden die nordafrikanischen Einwanderer immer weiter abgedrängt – in die trostlosen Vororte der Großstädte. Dort rüstet eine frustrierte Generation zum Kampf nach dem Motto: Wir Araber gegen den Rest der Welt. Nicht nur gegen Juden, auch gegen Christen, gegen alle, denen es besser geht als ihnen selbst. Denn was die jungen „beurs“ wollen, ist in erster Linie Aufmerksamkeit für ihre Situation. Gut zu beobachten war dies nach dem 11. September: Scheinbar unpolitische arabische Kids erkoren bin Laden zu ihrem Helden und legten sich mit gleichaltrigen Nicht-Arabern an. Nun bringen sie den Nahost-Konflikt nach Frankreich. Die Präsidentschaftskandidaten haben die Konflikte in den Trabantenstädten bisher wenig beachtet. Noch schlimmer: Wider besseres Wissen ließen sie die Imame in den 5000 Moscheen des Landes gewähren, von denen etliche die radikalen, oft fundamentalistischen Ansichten ihrer jüngsten Zöglinge dulden, wenn nicht gar fördern. sah

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