Zeitung Heute : Iowa wählt Obama zum Favoriten

Demokraten setzen Clinton nur auf den dritten Platz / Bei den Republikanern siegt Prediger Huckabee klar

Bei der ersten Vorwahl des US-Präsidentschaftsrennens 2008 im Bundesstaat Iowa haben sich die Wähler von der traditionellen Parteipolitik abgewandt und für Bewerber gestimmt, die einen neuen Stil versprechen. Bei den Demokraten gewann der schwarze Senator von Illinois, Barack Obama, überraschend deutlich mit 37,6 Prozent der nach einem komplizierten Verfahren gewichteten Stimmen. Die landesweit favorisierte Hillary Clinton kam mit 29,5 Prozent nur auf Platz drei hinter John Edwards (29,8 Prozent), Vizepräsidentschaftskandidat 2004.

Auch bei den Republikanern gab es eine Sensation. Mike Huckabee, ein Baptistenprediger und Ex-Gouverneur des Südstaates Arkansas, siegte mit 34,4 Prozent über Mitt Romney (25,4 Prozent), obwohl der reiche Geschäftsmann und Ex-Gouverneur von Massachusetts zehn Mal so viel Geld in den Wahlkampf gesteckt hatte. Huckabee kam der Rückhalt unter den vielen Evangelikalen in dem wertkonservativen Farmstaat im Mittleren Westen und die kostenlose Organisationskraft von Kirchengemeinden gegen Romneys professionelle Kampagne zugute.

Die Beteiligung war für einen Caucus, wie dieser parteiinterne Wettbewerb um die Nominierung als Präsidentschaftskandidat genannt wird, ungewöhnlich hoch. Auch das zeigt die Sehnsucht nach einer Abkehr vom spaltenden Stil des Amtsinhabers George W. Bush. Bei den Demokraten beteiligten sich 239 000 Bürger, das ist neuer Rekord. 2004 waren es 125 000. Zu den Republikanern kamen 108 000. 2004 gab es bei ihnen keine Vorwahl, da Bush zur Wiederwahl antrat. 2000 hatten 90 000 teilgenommen. Die Hälfte der diesjährigen Wähler kam erstmals zu einem Caucus. Das betraf alle Altersgruppen, nicht nur Erstwähler. In den Vorwahlen stimmen Demokraten und Republikaner Staat für Staat darüber ab, wer für sie bei der Präsidentenwahl im November antreten soll. Die nächste Vorwahl ist kommenden Dienstag in New Hampshire. Am 5. Februar stimmen 22 Staaten parallel ab. Dann wird mit einer Entscheidung gerechnet. Der Sieg in Iowa ist wichtig, weil er dem Gewinner Rückenwind verleiht und Zweifel an der Wählbarkeit der Verlierer verstärkt.

Obama gibt sich als überparteilicher Kandidat, der die verfeindeten politischen Lager versöhnen kann. Hillary Clinton wirbt mit ihrer größeren politischen Erfahrung. Nach Umfragen war das Versprechen einer Wende für 50 Prozent der Demokraten ausschlaggebend, Erfahrung dagegen nur für 20 Prozent. John Edwards tritt als Arbeitervertreter und Klassenkämpfer gegen die großen Konzerne auf.

Obama wertete seinen Erfolg als Sieg der Hoffnung über die Machtpolitik und als Signal, dass Amerika einen Neuanfang wolle. Clinton reagierte kämpferisch auf ihre Niederlage und versprach eine harte Auseinandersetzung um New Hampshire. Ihren einst komfortablen Vorsprung in den Umfragen dort hat sie inzwischen eingebüßt. „Ich bin so was von bereit für diesen Wettstreit“, betonte sie. „Ich bin so was von bereit, dieses Land zu führen.“

Bei den Republikanern gilt Huckabee trotz seines Siegs in Iowa nicht als aussichtsreich. Beobachter rechnen damit, dass er über kurz oder lang ausscheidet, weil es ihm an Geld und politischer Substanz fehle. Die Aufmerksamkeit in New Hampshire richtet sich auf John McCain, den moderaten Senator von Arizona.

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