Zeitung Heute : „Iran muss kooperieren“

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Das kommt auf die Modalitäten dieser Urananreicherung an. Die Iraner werden darauf bestehen, Zugang zu der Technologie in Russland zu haben. Die Russen werden dagegen versuchen, dieses zumindest nicht in Gänze zu akzeptieren. Es hängt also vieles davon ab, ob eine gemeinsame Firma gegründet wird oder ob Iran nur Uranhexafluorid nach Russland liefert und am Ende dann Brennstäbe mit niedrig angereichertem Uran zurückbekommt. Das ist technisch natürlich zu machen. Aber die Iraner werden darauf bestehen, Zugang zur Technologie zu haben, auch mittels eigener Ingenieure.

Könnte Iran auf diesem Weg sogar schneller an militärische Technologien gelangen als bisher?

Eine Urananreicherung außerhalb des Landes würde vermutlich kaum zusätzliche Kenntnisse für iranische Wissenschaftler bringen. Denn letztlich müsste ja Iran diese Gaszentrifugen, von denen Teheran im Übrigen bereits Pläne und eine Pilotanlage besitzt, nachbauen. Die Gaszentrifugentechnologie ist aber nicht einfach zu betreiben. Man braucht eine längere Zeit, bis diese schnell rotierenden Zentrifugen funktionieren.

Sollte es weiterhin Kontrollen durch die Atomenergiebehörde in Iran geben?

Iran will ja einen geschlossenen Brennstoffkreislauf aufbauen, der von der Uranmine bis hin zur Brennstoffproduktion reicht. Es gibt in diesem Kreislauf nicht nur das Problem der Urananreicherung, sondern auch das eines Schwerwasserreaktors, der Plutonium erzeugen kann. Auf diesen Reaktor müsste Iran dann auch verzichten oder eben strikte Kontrollen durch die Internationale Atomenergiebehörde erlauben. Das würde ein hohes Maß an Kooperation, zum Beispiel durch die Umsetzung des Zusatzprotokolls, durch die iranische Regierung notwendig machen.

Götz Neuneck ist Physiker und Experte für Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg.

Das Gespräch führte Fabian Leber.

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