ISLAMFORSCHUNG : Die Schwerpunktinstitute

Forschungen zum Islam werden unter anderem in den Max-Planck-Instituten für Privatrecht (Hamburg), öffentliches und Völkerrecht (Heidelberg) und Strafrecht (Freiburg) für Ethnologie (Halle) und künftig auch am MPI zur Erforschung multireligiöser und multiethnischer Gesellschaften betrieben. Das Netzwerk soll noch erweitert werden.

In Freiburg und Hamburg bildet besonders das iranische Recht einen Schwerpunkt, in Heidelberg Afghanistan und Sudan. Ein wichtiges Thema der Zusammenarbeit zwischen den Instituten ist seit einigen Jahren die Arbeit über und in Afghanistan: zum Beispiel die Schulung afghanischer Richter. Unter der Federführung des Heidelberger Instituts arbeiten hier auch Mitarbeiter des Freiburger und des Hamburger Instituts mit, indem sie Lehrmaterialien erstellen (zum Beispiel ein Lehrbuch zum afghanischen Familienrecht und ein Kurzlehrbuch zum Allgemeinen Teil des afghanischen Strafrechts) und Kurse abhalten.

Das Heidelberger Institut hat ferner im Sudan wichtige Hilfestellungen zur Ausarbeitung der sudanesischen Verfassung geleistet und unterstützt den Aufbau weiter durch Ausbildungsseminare zum Verfassungsrecht und durch Gesetzgebungsberatung. Dazu kommen Forschungsprojekte einzelner Mitarbeiter wie zum Beispiel die Gewährleistung des Rechts auf ein faires Verfahren in islamischen Ländern, oder über kulturelle Rechte von Minderheiten in Iran, Irak und der Türkei, dargestellt an den Kurden.

Das Freiburger Max-Planck-Institut hat ein Kooperationsabkommen mit der Universität Teheran, in dessen Rahmen zahlreiche Seminare und Vorträge in Iran möglich sind. In Freiburg selbst entstehen weitere Forschungsarbeiten, die beispielsweise das deutsche und das iranische Sanktionensystem und die Strafzumessung in beiden Ländern untersuchen. Eine andere Studie untersucht die Beleidigung von Religionen in beiden Ländern.

Mit Palästina dagegen befasst sich ein Projekt über „sulh“ als traditionellem islamischem Mechanismus der Streitbeilegung in Palästina nach Oslo.

In Hamburg ist das komplizierte islamische Erbrecht in verschiedenen Facetten ein wichtiger Forschungsgegenstand, ferner zum Beispiel die Stellung der Scharia in der afghanischen, iranischen und ägyptischen Verfassung und ihre Auswirkungen auf das Privatrecht. Das Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung befasst sich in der Islamforschung regional mit vier Schwerpunkten: Nordostafrika, Westafrika, Zentralasien und Indonesien. In Afrika stehen Fragen um Integration und Konflikt im Zentrum der Aufmerksamkeit, in Zentralasien geht es um das Verhältnis von Religion und Zivilgesellschaft, in Indonesien um Zivilgerichte und religiöse Gerichte.

Am Göttinger Institut, das sich derzeit noch im Aufbau befindet, werden unter anderem Fragen transnationaler sozialer Gruppierungen, internationaler Migration und ethischer und religiöser Diaspora im Mittelpunkt stehen. tel/fva

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