Zeitung Heute : Italien hat gewählt: Der reichste Italiener

Andrea Dernbach

Wo Könige oder Diktatoren regieren, da ist es ganz normal, dass die Mächtigen auch das meiste Geld haben. Die Königin von England zum Beispiel, auch wenn sie in der Politik nicht mehr so viel zu sagen hat wie ihre Vorfahren, ist immer noch die reichste Frau in ihrem Land. Italien hat schon lange keinen König mehr, aber am letzten Sonntag haben die Italiener den Reichsten von ihnen zum Regierungschef gewählt, Silvio Berlusconi, der nicht nur ein paar Fernsehsender besitzt, sondern auch Zeitungs- und Buchverlage, Versicherungen und Baufirmen.

Die ihn gewählt haben, dachten sich: Einer, der arm war und zum Multimilliardär wurde, der bekommt es sicher auch hin, dass es uns besser geht. Versprochen hat er den Italienern nämlich, dass sie bei ihm weniger Steuern zahlen müssen und mehr Rente bekommen, wenn sie alt sind.

Die ihn nicht gewählt haben, fürchten, dass Berlusconi wirklich wie ein König regiert und nur für sich, seine vielen Firmen und Freunde sorgen wird. Er könnte zum Beispiel bestimmen, dass auch das staatliche Fernsehen nur noch Sendungen zeigt, die er gut findet oder in denen er gelobt wird. Oder er könnte Wolkenkratzer oder Brücken bauen lassen, die keiner braucht, nur damit seine Baufirmen genug verdienen. Viele haben auch Angst, dass Berlusconi Gesetze machen wird, die verhindern, dass er ins Gefängnis kommt. Seit Jahren laufen nämlich Gerichtsprozesse gegen ihn, weil die Staatsanwälte sagen, dass Berlusconi so reich ist, weil ihm Verbrecher dabei geholfen haben oder weil er keine Steuern gezahlt hat. Und wenn schon der Chef stiehlt, ohne bestraft zu werden, dann hält sich irgendwann gar keiner mehr an die Gesetze.

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