Zeitung Heute : ITALIEN IM "TAL DER TRÄNEN"

PARIS ."Addio Italien" - das Weltmeisterschafts-Turnier ist um einen Favoriten ärmer geworden.Als der Fehlschuß von Di Biagio WM-Geschichte schrieb, flossen die Tränen auf dem Spielfeld in Strömen.Zum drittenmal nach 1990 (Halbfinale gegen Argentinien) und 1994 (Finale gegen Brasilien) verfehlte die "Squadra Azzurra" im Elfmeterschießen ihr angestrebtes Ziel und mußte ohne Titel und Ruhm die Heimreise antreten.Während Italien nach Di Biagios Fehlversuch beim 3:4 gegen den WM-Gastgeber im Tal der Tränen versank, verfiel Frankreich in einen Freudentaumel.

Die Tränen bei den hart gesottenen Profis waren immer noch nicht getrocknet, als Paolo Maldini mit seiner Mannschaft vor die Presse trat.Mit geröteten Augen gestand "Unglücksrabe" Luigi Di Biagio den Medienvertretern: "Ich weiß nicht, was ich sagen soll.Es ist kein Trost zu hören, daß auch Zico und Platini schon einmal einen wichtigen Elfmeter vergeben haben.Verzeiht mir, es tut mir leid.Ich bin ein armer Teufel." Seine Mitspieler hatten ihn schon auf dem Feld getröstet."Es gab von keiner Seite einen Vorwurf, nur Mitleid und Mitgefühl", bestätigte der 27 Jahre alte Mittelfeldspieler.

In Rom fiel zur gleichen Zeit der geplante "Triumphmarsch" der Tifosi ins Wasser.Die Straßen blieben leer.Italiens Fans trauerten um ihre Lieblinge im stillen Kämmerlein.Das "Elfmeter-Drama" schien auch an ihren Nerven gezerrt zu haben.Nicht nur Di Biagio, sondern auch Demetrio Albertini hatte seinen Elfmeter nicht verwandeln können.Lediglich Roberto Baggio, Alessandro Costacurta und Christian Vieri hatten getroffen.

Als Schuldigen an der Niederlage machten die italienischen Medien aber Trainer Cesare Maldini aus."Er ist nur ein biederer Durchschnittsmann, der seinen täglichen Dienst verrichtet", kritisierten die Zeitungen.Der Coach war in die Schußlinie geraten, weil er nach Meinung der Experten viel zu defensiv gegen die Franzosen gespielt hatte.

Auch die viel zu späte Hereinnahme von Roberto Baggio für den enttäuschenden Alessandro del Piero wurde Maldini zum Vorwurf gemacht."Wir haben keinen Fehler gemacht.Ein Elfmeterschießen ist auch ein Lotteriespiel.Frankreich hat uns während des Spieles nicht in Schwierigkeiten gebracht", widersprach Maldini den Anschuldigungen.Italiens Verbandspräsident Luciano Nizzola nahm den Coach in Schutz.Nach seiner Aussage hat Maldini nichts zu befürchten: "Er hat die Mannschaft mit Bravour bei dieser WM gesteuert.Wir haben Pech gehabt.Italien kann mit erhobenem Haupt heimkehren."

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