ITALIENISCHER THEATERHERBST„Gomorra“ : Explosive Enthüllungen

Sandra Luzina

„Gomorra“, die Bühnenfassung von Roberto Savianos Enthüllungsroman über die napoletanische Camorra, dürfte der Höhepunkt des Italienischen Theaterherbstes in Berlin werden. Bis zum 26. November bietet das Festival eine Werkschau der derzeit meistdiskutierten Theateraufführungen Italiens. In „Gomorra“ beleuchtet das Mercadante Teatro Stabile aus Neapel die dunklen Verzweigungen und finanziellen Mechanismen der organisierten Kriminalität. Regie führt Mario Gelardi, der zusammen mit Roberto Saviano die Theaterfassung erarbeitet hat.

Gelardi überträgt den Prolog und den Epilog dem Alter Ego von Saviano (verkörpert von Ivan Castiglione), das als Bindeglied zwischen den Geschichten von fünf emblematischen Personen aus dem Buch dient. Roberto Saviano, der heute auf der Todesliste der Camorra steht und unter Polizeischutz lebt, ist auf der Bühne noch der werdende Journalist. Er schreibt auf, was er sieht und hört, trägt Nachrichten und Geständnisse zusammen, protokolliert die Gewaltausbrüche und Allmachtsphantasien seiner Freunde. Allmählich versteht er das System. Da sind die Handlanger: ein junger Dealer und sein schießwütiger Boss. Die Aufsteiger sind zwei Betriebswirte, von denen sich einer auf die Beseitigung von Giftmüll spezialisiert. Und da ist der Schneider, ein Unterstützer, der sich distanzieren will und gezwungen wird, den Chinesen sein Handwerk beizubringen. Es ist ein couragiertes, aber auch schwieriges Unterfangen, den Reportageroman mit seinem explosiven Material auf die Bühne zu bringen. Ein Kritiker urteilte: „Die Botschaft kommt an, wie ein Faustschlag in der Magengrube.“ Sandra Luzina

Volksbühne, Fr 14.11., 20 Uhr, auf Italienisch mit deutschen Übertiteln, ab 10 €, erm. 7,50 Uhr

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