Zeitung Heute : Jahr 2000-Problem: Erkannt, aber noch nicht überall beseitigt

Firmen machen mit ihren Lösungsangeboten das große Geschäft Unternehmen und Behörden in Deutschland haben das Computerproblem der Datumsumstellung zum 1.Januar 2000 weitgehend erkannt, sind von einer Lösung oft aber noch entfernt.Vor allem kleinen Betrieben ohne eigene Computer-Experten droht zu Beginn des übernächsten Jahres ein böses Erwachen.Großunternehmen gaben in einer dpa-Umfrage dagegen an, die betroffene Hard- und Software entweder bereits aktualisiert zu haben oder dies rechtzeitig zu tun.

Der Hamburger Verlag Gruner + Jahr hat das Problem nach Angaben seines Pressesprechers Peter Casper Hamel vor einem Jahr mit einer neuen Software gelöst, die den Datumswechsel berücksichtige.Der Versandhauskonzern Otto will das Computerproblem "im Rahmen der täglichen Arbeit" angehen.Bis Ende 1999 seien die Schwierigkeiten aber in jedem Falle gelöst, versicherte Pressesprecher Detlev von Livonius.

"Im Mittelstand wird das Problem überhaupt nicht ernst genommen", warnt Thomas Gärtner, Jahr-2000-Spezialist von IBM Deutschland in Stuttgart.Der Zeitaufwand werde unterschätzt.Es sei nicht damit getan, Programme zu korrigieren.Um Sicherheit zu gewinnen, müßten etwa 60 Prozent der Zeit für Tests eingeplant werden.Bis Ende 1999 werde die Zeit langsam knapp, sagte Gärtner.Deutschland hinke im Vergleich zu England oder den USA um etwa zwei Jahre hinterher.

Neben der Buchhaltung verwendeten auch Maschinen Datumsangaben, etwa um die Produktion zu dokumentieren."Auf jede logische Einheit in einem PC kommen 100 logische Einheiten in anderen Geräten", warnt Gärtner.Wer sich nur um die Computersysteme kümmert, laufe Gefahr, daß dann zwar die Buchhaltung laufe, aber die Produktion still stehe.

Die Angst, nach Silvester 2000 im Fahrstuhl steckenzubleiben, ist nach Angaben des Berliner Aufzugherstellers Otis unbegründet."Die Steuerungen von Aufzügen haben keine zeitrelevanten Bauteile", sagt Produktmanager Gerd Zucknick.Nur bei der Fernüberwachung mit Personal Computern könnten Probleme auftreten.Das würde jedoch den Betrieb von Aufzügen nicht betreffen.

Während Unternehmen und Organisationen in aller Welt mit Furcht auf mögliche Pannen ihrer Computersystem aufgrund des Jahr-2000-Problems blicken und sich um Lösungen bemühen, machen viele Firmen damit ein großes Geschäft.Die US-Unternehmen Oracle und NNC haben bereits ihre Lösungsansätze vorgestellt, ebenso wie SAP, ConSyGen, Complete Business Solutions, EDS, IBM, NCR, Computer Associates und andere, die Analysen und Lösungsmöglichkeiten anbieten.

Die Kosten zur Beseitigung der Jahr-2000-Computerprobleme werden von US-Experten auf mehr als 500 Milliarden Dollar (900 Mrd.DM) geschätzt.Soviel wird es kosten, damit alte Rechner und Softwarepakete erkennen können, daß es sich beim Lesen von Jahreszahlen mit zwei Nullen nicht um das Jahr 1900 handelt.

Die Oracle Corp.bietet mittelgroßen Firmen für 300 000 Dollar (534 000 Mark) die notwendige Software, Consulting und Ausbildung der Abnehmer.Eine zweite Lösung ist für Großkonzerne gedacht, die sich bereits mit dem Jahr-2000-Computerproblem befassen, die jedoch damit in Rückstand gekommen sind.Die NCR Corp.offerierte weltweit tätigen Unternehmen einen neuen Analyseservice.Der Informatikkonzern will den Unternehmen helfen festzustellen, wie weit sie mit ihren Computernetz-Umstellungen gekommen sind, damit am 1.Januar 2000 alles richtig läuft.

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