JAM-ROCKDave Matthews Band : Lob der Zweitverwertung

Jörg W,erD

Die Tonträgerbranche liegt am Boden. Neue Erwerbsquellen müssen erschlossen werden. Livemusik und ihrer Vermarktung gehört die Zukunft. Dabei ist das vermeintlich jüngste Geschäftsmodell der Popmusik ein alter Hut: Seit über 15 Jahren hat die Dave Matthews Band damit ein kommodes Auskommen. Als Live-Band haben sich der in Südafrika geborene und im Südstaatennest Charlottesville beheimatete Singer-Songwriter (Foto, links) und seine Begleiter einen überragenden Ruf erworben.

Das ab 1991 im erweiterten Rockbandformat erspielte Repertoire blieb meist dem klassischen Middle-of-the-Road-Sound der Siebziger verpflichtet: zwischen dem Westcoast-Pop der Doobie Brothers und kernigen Southern Rockern wie Lynyrd Skynyrd. Wie sehr sie damit den Geschmack eines Mainstream-orientierten US-Publikums trafen, belegt der Erfolg ihrer sieben Studioalben, von denen rund 30 Millionen Stück verkauft wurden. Und doch ist dies nur die Spitze eines Einnahmeneisbergs, der einer cleveren Strategie entwächst. Denn die Kernkompetenz der Dave Matthews Band, ihr unermüdliches, durch Gaststars wie Neil Young oder Carlos Santana geadeltes Dauergetoure, wird mit geschäftstüchtiger Gründlichkeit zweitverwertet: Neben einem Dutzend „offizieller“ Live-Alben gibt es rund 50 komplette Konzerte, die als Downloads auf der Band-Website erworben werden können.

Dass das Phänomen Europa nur in abgeschwächter Form erreichte, hat Vorteile: Während die Dave Matthews Band in ihrer Heimat nur selten in Arenen unter Stadiongröße auftritt, ist hier im Tempodrom fanfreundliche Nähe angesagt.Jörg Wunder

Tempodrom, Mi 17.2., 19 Uhr, ab 55 € DW926

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben