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Japanische Handwerkskunst : Kämpferisch

05.10.2012 00:00 Uhrvon
Raumergreifend. Tisch "Hakama" für Conde House erinnert mit seinen Stützen an Samurai und Kendokämpfer.Bild vergrößern
Raumergreifend. Tisch "Hakama" für Conde House erinnert mit seinen Stützen an Samurai und Kendokämpfer. - Foto: Conde House

Raumgreifend setzt dieser Tisch ein Ausrufezeichen. Peter Maly hat für das japanische Unternehmen Conde House eine Kollektion entworfen, die der Krise Japans selbstbewusst trotzt.

Breitbeinig steht er da und sagt, schaut her, hier bin ich! Ein selbstbewusster Auftritt, raumgreifend, nicht zu übersehen. „Hakama“ ist ein Tisch, der auf Anhieb überzeugt. Ein Tisch, der in seiner größten Form 2,40 Meter lang und 1,10 Meter breit ist. Jeweils zwei schräg gestellte Beine stützen ihn in der Mitte. Keine Tischbeine im klassischen Sinn, sondern breite kanellierte Bohlen, die von vorne betrachtet an die Hakama-Hosen der Samurai und Kendokämpfer erinnern.

Normalerweise hat ein Tisch wenig mit Kampf und Selbstbewusstsein zu tun, doch bei „Hakama“ ist alles Absicht und gewollt. Peter Maly arbeitet seit einigen Jahren für das japanische Label Conde House, das unter der Leitung von Minoru Nagahara zu einem der besten Vollholzmöbelhersteller der Welt aufgestiegen ist – wenn nicht sogar zum Besten.

Conde House verfugt Holz so, dass man mit dem Finger bei geschlossenen Augen über die verbundenen Flächen fahren kann, ohne auch nur den Hauch einer Schnittstelle zu spüren.

Maly arbeitet mittlerweile im Team, sein Büro heißt jetzt Maly Hoffmann Kahleyss. Einer hatte für den von den Japanern gewünschten großen Tisch ein langes Rechteck gezeichnet und vier Wangenfüße. „Das war mir noch zu langweilig, also habe ich sie schräg abstützend gestellt, und dann kam die Idee mit dem Samurai“, erzählt Peter Maly. Nach der Katastrophe von Fukushima habe man in Japan über den Sinn teurer wertvoller Möbel diskutiert, aber dann hätte sich Conde House doch entschieden, Flagge zu zeigen und einen Tisch bestellt. „Plötzlich haben sie selbstbewusst reagiert und wollten beweisen, was sie können“, erinnert sich Maly.

Man habe in Japan schon viele Katastrophen überstanden. Daher wollte man kämpfen und die eigene Kraft demonstrieren. Mit den schrägen, spontan an Schlaghosen der Siebziger erinnernden Beinen stellte das Team den Bezug zu den Hakama, den traditionellen Hosen der Japaner her, die von Samurai und Kendokämpfern getragen werden. Ein kämpferisches Statement fürwahr, ein Tisch wie ein Ausrufezeichen. „Ich habe gleich unseren Mittelsmann in Japan angerufen und nach dem Namen dieser Schlaghosen gefragt. Hakama. Damit stand der Name fest.“

Die hohe Qualität des Tisches zeigt sich auch in der Tischplatte. Sie wurde aus einem Stamm geschnitten und praktisch wie ein Buch aufgeklappt. Dadurch erhält man eine symmetrische Maserung. Verbunden sind die beiden Platten durch Schwalbenschwänze aus Ebenholz. „Der Fachmann sieht schon, wo er einen alten Stamm aufschneiden kann, um die gewünschte Maserung zu erhalten, das ist wirklich enorm“, sagt Maly. Das Holz wird zudem lange gelagert, die Zeit nimmt man sich in Japan und darin liegt auch die Qualität.

Das spiegelbildliche „Aufklappen“ eines Stammes hat Tradition bei Conde House, Ippongi heißt diese alte Technik in Japan – „aus einem Stamm“. Die Kanten der Tischplatte des „Hakama“ sind nicht rechtwinklig, sondern verlaufen schräg nach unten. Das gibt dem schweren Tisch zusätzliche Eleganz.

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