Zeitung Heute : Japanischer Tango in Toulouse

TOULOUSE (dpa)."Pumuckl" Hidetoshi Nakata verließ das Stadion von Toulouse gesenkten Hauptes, "Batigol" Gabriel Batistuta thronte auf dem Podium im Presseraum wie ein kommender Weltmeister.Die Lobeshymnen erntete nach dem mühsamen 1:0 (1:0)-Sieg der Argentinier jedoch nicht der zweimalige Titelträger und selbsternannte Favorit auf die Fußball-Weltmeisterschaft, sondern der Neuling aus Asien."Ein japanischer Tango", titelte die französische Tageszeitung "Sud Ouest".

Daheim in Japan wurde der erste WM-Auftritt von Team Nippon zum Straßenfeger: 60,5 Prozent aller Haushalte verfolgten die unglückliche Niederlage gegen den zweifachen Weltmeister.Allein in derHauptstadt Tokio und der umliegenden Region Kanto sahen 9,014 Millionen Zuschauer zu.Die Fans in Toulouse hatten es schwerer.Nur 4000 der 12 000 angereisten japanier hatten eine Karte ergattert.Einige hatten es sich in letzter Stunde noch umgerechnet 2000 Mark kosten lassen, um das historische Ereignis zu erleben.Rund 8000 Unglückliche mußten das Geschehen dagegen auf den Riesenleinwänden im Sportpalast von Toulouse sowie von zwei Freilufttribünen verfolgen.Gleich nach dem Abpfiff machten sich die japanische Fans auf den Weg nach Nantes, wo es am Sonnabend gegen Kroatien geht.Karten haben sie noch immer keine.

Argentiniens Trainer Daniel Passarella flüchtete sich nach dem Zittersieg in Platitüden ("Das erste Spiel ist immer das schwerste") und betonte: "Ich bin ganz ruhig." Dabei hatten die Japaner ihren Gegner und deren Fans zeitweise in helle Aufregung versetzt.Vor allem in der ersten Halbzeit tanzten die sie die Argentinier ein ums andere Mal aus.Aggressiv, wendig und ungemein ehrgeizig debütierte der WM-Gastgeber von 2002 auf der internationalen Bühne.Der eingewechselte Wagner Lopes vergab in der Schlußminute per Kopf die Riesenchance zum Ausgleich."Es ist nicht zu ändern, daß wir das eine Tor nicht geschossen haben", meinte Teennie-Idol Nakata mit unbewegter Miene und japanischer Ergebenheit."Das Ergebnis hilft uns nicht weiter." Der Spielmacher, der seine Individualität ebenso pflegt wie sein Kurzpaßspiel, war auf dem Platz nicht nur wegen seiner karottenrot gefärbten Haare der Auffälligste seines Teams.

Die Asiaten wahrten jedoch ihr Gesicht."Die Mannschaft hat eine neue Ära für den japanischen Fußball eingeläutet", lobte zuhause die Zeitung "Sports Hochi".In Buenos Aires ist derweil die Euphorie erst einmal verflogen."Argentinien muß sich in den kommenden Begegnungen enorm steigern, um die Hoffung, Weltmeister zu werden, aufrechterhalten zu können", mahnte die staatliche Nachrichtenagentur Telam.Regisseur Ariel Ortega vom FC Valencia stolperte immer wieder über die Beine der flinken Japaner.Und selbst der überragende Juan Veron, genannt "brujita" ("kleine Hexe"), fand kein Mittel, das seine Mitspieler hätte beleben können."Die Japaner haben sich nie ausgeruht", wunderte sich der künftige Profi des FC Parma.

Lediglich Batistuta hatte seinen großen Auftitt.Mit seinem 44.Länderspieltor bewahrte der Torjäger vom AC Florenz die Argentinier vor einem Fehlstart und versprach anschließend: "Argentinien wird sich von Spiel zu Spiel steigern.Es war ein schwieriges Spiel, aber wir sind zufrieden, daß wir gewonnen haben."

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