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60 Lastwagen hat die Spedition BOS im Einsatz, um Lebensmittel frisch in die Läden zu bringen. Weil das Unternehmen ständig wächst, plant Unternehmenschef Osman Sönmez für 2010 den Umzug auf ein größeres Firmengelände

Patricia Hecht
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Gabelstapler fahren vormittags über den Berliner Großmarkt an der Beusselstraße, Arbeiter stapeln leere Paletten. Osman Sönmez, Gründer und Geschäftsführer der BOS-Spedition, führt im Anzug durch die Lagerräume seines Unternehmens. „Tagsüber wird aufgeräumt“, sagt Sönmez und wirft einen prüfenden Blick auf ein paar Topfpflanzen, die noch in der Ecke stehen. „Aber richtig viel los ist hier nachts.“ Dann nämlich wird die Ware geliefert: Allein bis zu 300 Tonnen Fleisch können das sein, außerdem Obst, Gemüse, Molkereiprodukte und Pflanzen. Sönmez'' Standort ist der Umschlagplatz, von dem aus die Ware ihren Weg in den Einzelhandel findet – und früh morgens an ihrem Platz in den Geschäften landet.

Sönmez, 45, liefert das gesamte Fleisch- und Wurst-Sortiment für 300 Edeka-Reichelt-Märkte in Berlin und Brandenburg. Er beliefert Metro und Real, er transportiert Lebensmittel nach Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Dazu kommt das Ferngeschäft: Hier wird Ware nach Österreich, Ungarn und Frankreich gefahren, auf dem Rückweg werden Großhändler in ganz Deutschland mit Obst und Gemüse versorgt. 30 000 Kilometer legt der Fuhrpark der BOS-Spedition täglich zurück – noch ein Drittel mehr, und die Strecke würde einmal um die Erde reichen.

Osman Sönmez jedoch bleibt bescheiden. Auf den LKW ist das blaue Logo seiner Spedition kleiner gedruckt als das direkt daneben stehende Bild der Lebensmittel: Ein Laib Käse, eine Flasche Milch, ein paar Äpfel und Orangen. „Natürlich sind die Produkte größer als unser Name“, sagt Sönmez und nickt freundlich. „Davon leben wir ja schließlich.“

Angefangen hat alles vor mehr als 20 Jahren. In der Türkei geboren, etwa 100 Kilometer nördlich von Antalya, kam Osman Sönmez nach Berlin, als er sieben war. Seine Eltern waren Fabrikarbeiter im Wedding. Nach dem Hauptschulabschluss jobbte er in einer Gärtnerei, aber richtig gut gefiel ihm das nicht. 1988 kaufte sein bester Freund, ein Deutscher, schließlich einen LKW. „Wir haben damals alles zusammen gemacht", sagt Sönmez – er legte sich auch einen zu. Als Ein-Mann-Unternehmen fing er im Transportgeschäft an, aus dieser Zeit stammt auch der Name: BOS steht für Berlin und Osman Sönmez. Weit in die Welt ging es damals ohnehin noch nicht. „Aber Rudow war damals ja auch schon Fernverkehr“, sagt Sönmez und lacht leise.

1993 stellte Sönmez, der mit seiner Familie heute in Mariendorf lebt, den ersten Mitarbeiter ein. Das Unternehmen wuchs zusammen mit einem seiner Auftraggeber. Als dieser jedoch wegbrach, musste sich Sönmez, inzwischen Chef von 15 Angestellten, umorientieren: Das Transport- wurde zum Speditionsunternehmen, das die Warenlieferungen selbst organisierte und bald auch Bolle-Märkte belieferte. Heute hat Sönmez mehr als 100 Mitarbeiter und zwei Azubis, die den Betrieb 24 Stunden am Tag am Laufen halten. Der Jahresumsatz liegt bei knapp acht Millionen Euro netto. 60 LKW machen heute den Fuhrpark von BOS aus, hinzu kommen je nach Bedarf gemietete Wägen von Transportunternehmen.

Er selbst fahre heute kaum noch, sagt Sönmez, „leider.“ Den Führerschein bis 40 Tonnen hat er aber noch – und wenn Zeit bleibt, macht er zusammen mit seinen beiden zwölf und 20 Jahre alten Söhnen eine der kleineren Touren. Nach Halle etwa, 150 Kilometer, ganz entspannt. Und falls er mal Urlaub von seiner Sechs-Tage-Woche braucht, gehe es in die Türkei, wohin seine Eltern wieder zurück gegangen sind. Dorthin liefern, sagt Sönmez, wolle er nicht: „Zu kompliziert.“ Das Prozedere sei innerhalb der EU viel einfacher. Die Krise habe auch BOS gespürt, sagt Sönmez. Man sei allerdings in der glücklichen Lage, dass der Lebensmittelhandel zu den am wenigsten betroffenen Branchen zähle. „Wir sind stolz, auch schwierige Zeiten überstanden zu haben und schon lange mit denselben Kunden zu arbeiten“, sagt Sönmez. Dieses Jahr habe man bereits Neukunden ablehnen müssen, weil einfach kein Platz in den Lagerräumen war.

Deshalb steht nun ein Umzug an: Nächtes Jahr zieht die Firma vom Großmarkt an der Beusselstraße nach Reinickendorf. Die Fläche des Unternehmens vergrößert sich damit um das Zehnfache: Heute sind es 3500 Quadratmeter, von denen zwei Drittel als Lager genutzt und wegen der frischen Lebensmittel zum Teil auf Null Grad heruntergekühlt werden. Nächstes Jahr wird die Spedition 44 0000 Quadratmeter haben, ein Teil davon soll allerdings vermietet werden. Dem Umzug sieht Osman Sönmez gelassen entgegen: Mit seinem eigenen Fuhrpark dürfte diese Aufgabe schnell erledigt sein.

www.bos-spedition.de

Wir sind stolz, auch schwierige Zeiten überstanden zu haben und schon lange mit denselben Kunden zu arbeiten.“

Osman Sönmez, Spediteur

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