Zeitung Heute : Jeder wird sein eigener Unternehmer

Gute, feste Jobs sind Mangelware und glaubt man William Bridges, wird es davon in Zukunft immer weniger geben.Aber wenn es keine Jobs mehr gibt, muß man sich halt selbst welche schaffen.Der frühere Professor für englische Literatur weiß, wovon er redet.1974 hatte er seinen Lehrstuhl auf Lebenszeit an den Nagel gehängt und sich ins Unternehmensberatungsgeschäft gestürzt.Heute ist er - zumindest laut Klappentext seines neuen Buches - einer der erfolgreichsten Vertreter seiner Zunft."Survival Guide für die neue Arbeitswelt" heißt das Werk, das dem Leser zeigen soll, wie er seine Fähigkeiten erfolgreich vermarkten kann.

Beseelt vom American Dream, durchdrungen von Darwins Lehre vom "Survival of the fittest" und in Schwung versetzt vom eigenen Erfolgsbeispiel versucht Bridges dem Leser ein neues Selbstverständnis von seiner Rolle in der Arbeitswelt zu vermitteln.Anstatt einen Job ausführen und ausfüllen zu wollen, soll der Angestellte lieber versuchen, sein eigener Mini-Unternehmer zu werden.Und das am besten schon bevor ihn seine Firma "freigesetzt" hat.Auf diese Weise könne man zwar nicht seinen Job, aber oft eine Beschäftigung sichern.Und die könne interessanter, einträglicher und langfristig sicherer sein als ein fester Arbeitsplatz.

Dazu muß der Leser aber erst einmal seine Berufung finden.An dieses nicht eben leichte Unterfangen macht sich Bridges, indem er dem Leser Anleitungen gibt, wie er seine persönlichen "Ressourcen" entdecken kann, die in der alten Arbeitswelt nicht gefragt gewesen sind: "Unsere Arbeitgeber bezahlten uns dafür, daß wir irgendwelche klar umrissenen Tätigkeiten ausführten, und so lange wir es konnten und taten, bekamen wir unser Geld.Jobs waren Stellen, Schachteln, Schubläden.Es war schön, wenn sie paßten, aber wir wurden nicht für unsere Selbstverwirklichung bezahlt." Die sei als Mini-Unternehmer aber nicht nur erreichbar, sondern unerläßlich, meint Bridges.Denn der schwere Weg in die Selbständigkeit gelingt nur durch eine starke Motivation - und welche Motivation sei stärker, als die, eigene Wünsche erfüllen zu können.

Anhand von Checklisten und Fragebögen soll der Leser im Verlauf des Buches seine eigenen Wünsche, Fähigkeiten und Fertigkeiten herausfinden, um schließlich an Bridges Ziel zu kommen: das eigene Produkt.Denn niemand kann sich erfolgreich auf dem Markt behaupten, der kein Produkt vorzuweisen hat.Das alles will wohlüberlegt sein, denn schließlich soll das Produkt auch Abnehmer finden.Willkommen beim American Dream mit William Bridges. olk

William Bridges, Survival Guide für die neue Arbeitswelt, Campus Verlag 1998, 34 Mark 80.

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