Zeitung Heute : Jetzt zwei Jahre Garantie

Die mit dem Jahreswechsel in Kraft getretenen Gewährleistungs-Bestimmungen nach europäischem Recht bringen auch für den Gebrauchtwagenhandel einige tiefgreifende Veränderungen. Die Käufer Gebrauchter genießen jetzt nämlich erheblich mehr Schutz, wenn sie ihren Gebrauchten beim Händler erwerben.

Denn die bislang übliche Klausel "unter Ausschluss jeder Gewährleistung" gehört der Vergangenheit an. Damit ist unabhängig vom Alter eines Fahrzeugs und seiner Laufleistung ein Gewährleistungsausschluss nicht mehr zulässig. Das gilt allerdings nur für gewerbliche Verkäufe. Beim Verkauf von Privat an Privat nämlich bleibt es auch künftig beim gewohnten Gewährleistungsausschluss.

Für Händler gilt nun dagegen eine Gewährleistungsfrist von mindestens einem Jahr. Dafür allerdings gibt es wichtige Einschränkungen. Denn der Händler haftet nur, wenn das verkaufte Auto nicht vertragsgemäß ist - also anders, als beim Verkauf vereinbart. Wenn im Kaufvertrag vermerkt ist, dass der Motor nicht ganz dicht ist, dann hat der Käufer kein Recht, das nach dem Kauf zu beanstanden. Das ist nur möglich bei Mängeln, die bereits beim Verkauf bestanden, aber nicht in den Vertrag aufgenommen wurden.

Neu in den Bestimmungen ist auch die sogenannte Beweislastumkehr. Entdeckt man binnen der ersten sechs Monate nach dem Kauf einen Mangel, muss nun nicht mehr der Käufer nachweisen, dass dieser Mangel bereits beim Verkauf bestanden hat. Stattdessen ist nun der Verkäufer verpflichtet zu beweisen, dass es den Mangel beim Verkauf noch nicht gab.

Entdeckt ein Käufer einen Mangel, dann kann er vom Verkäufer zunächst nur dessen Beseitigung verlangen. Nur wenn das ausnahmsweise nicht möglich oder unverhältnismäßig ist oder die Nachbesserung nicht gelingt, kann der Käufer den Kaufpreis mindern, letztendlich vom Vertrag zurücktreten und eventuell auch Schadenersatz fordern.

Nach Einschätzung des Technischen Überwachungsvereins Dekra bieten angesichts der neuen Regelungen die meisten Händler Gebrauchtwagen nun mit einer Einjahresgarantie an. Damit decken sie sogar mehr ab, als der Gesetzgeber vorschreibt. An vielen Fahrzeugen kann man auch das Dekra-Siegel für Gebrauchte entdecken. Es bescheinigt dem Fahrzeug, dass es von einem neutralen Sachverständigen geprüft wurde.

Angesichts der nun geltenden Regeln und der Reaktion des Handels darauf rechnen Experten damit, dass künftig wieder mehr Gebrauchte beim Händler erworben werden. Denn private Autoverkäufer geben normalerweise weder Gewährleistung noch Garantie. bori

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben