Zeitung Heute : Jobs für alle – auch für Alte

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Im Ameisenland hat jeder seine Aufgabe: Während die einen neues Baumaterial aus der Umgebung des Nests herbeischaffen, suchen andere Ameisen draußen nach Nahrung. Es gibt Soldatinnen mit kräftigen Oberkiefern, die als Begleitschutz entlang der Ameisenstraßen patrouillieren, Späher, Nestbauer, Reiniger und Verteidiger. Wieder andere Arbeiterinnen sind vorwiegend im Innendienst tätig und versorgen die Larven oder füttern die Königin. Eine Hierarchie der Berufe gibt es übrigens nicht, jeder Job ist gleich wichtig.

Welchen Beruf eine Arbeiterin ausübt, steht nicht unbedingt von Geburt an fest: Ameisen übernehmen zwar automatisch die Arbeit, die im Staat ansteht; ihr Job richtet sich nach dem, was in der Kolonie zu tun ist. Wichtig, sagen Biologen, sind aber auch die individuelle „Neigung" und ihre Körpergestalt. Das Alter spielt ebenfalls eine große Rolle, „Altersethismus" nennt Ameisenexperte Peter Heinze das: Junge und kleine Ameisen arbeiten häufig im Innendienst als Kinderpflegerinnen, ältere und größere Tiere sind oft im Außendienst tätig.

Das Gesellschaftssystem der Ameisen beruht auf der kontinuierlichen Zusammenarbeit aller Generationen. Die alten Ameisen haben eine besonders wichtige Funktion: Oft übernehmen sie mit der Suche nach Nahrung oder mit der Verteidigung die anspruchsvolleren und gefährlicheren Aufgaben – allerdings auch, weil der Staat sie schneller ersetzen kann. Und: Ameisen gehen nie in Rente. Die Gesellschaft könnte es sich nicht leisten, auf die Alten zu verzichten.

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