Zeitung Heute : Jubel, wenn die "Lady" schäumt

MICHAEL WÜRFEL

Naturspektakel in Neuseelands Geysirlandschaft lockt Besucher VON MICHAEL WÜRFEL

Mit ein paar Stückchen gelber Seife werden jeden Morgen nahe der neuseeländischen Stadt Rotorua Touristen aus allen Erdteilen glücklich gemacht.Immer kurz vor 10 Uhr 15 betritt ein nett lächelnder junger Mann mit einer braunen Tüte in der Hand die Freiluft-"Bühne".Ihn umsäumen die im Halbrund erhöht stehenden Zuschauer.Fotoapparate und Videokameras sind auf ihn und einen kleinen weißen Kegel mit Öffnung gerichtet.Über 200 Schaulustige verfolgen die Inszenierung in der Hochsaison im Winter.Dann ist im südlich des Äquators gelegenen Neuseelands Sommer mit angenehmen Temperaturen. Der "Seifenmeister", Mitarbeiter im benachbarten "Wai-o-Tapu Thermal Wonderland" mit kochenden Quellen und dampfenden Seen, wirft die Seife in die Öffnung des kleinen Kraters.Kurz danach schäumt "Lady Knox".Die Seife erzeugt Blasen im Inneren des Geysirs und erhöht den Druck der unterirdischen Quelle.Um 10 Uhr 15 - wie in den Broschüren versprochen - weicht der Seifenschaum an der Öffnung einer immer höher steigenden Fontäne.Die Zuschauer reagieren mit lauten "Aaahs" und "Ooohs".Manche klatschen sogar.Die Eruption von "Lady Knox" dauert ein paar Minuten. Ohne künstlichen Seifeneingriff war die "Lady" früher unregelmäßig aktiv.Busfahrer Bob aus Rotorua erzählt die Geschichte der "Entdeckung" des Geysirs im Jahre 1896: "Die Gefängnis-Arbeiter, die in der harmlos erscheinenden heißen Quelle ihre Wäsche wuschen und sie weichen ließen, fanden später ihre Hosen in Baumästen wieder." Schmunzelnd gibt Bob des Rätsels Lösung wieder: "Der Geysir wurde durch das Seifenpulver wach und hatte beim Ausbruch alles in die Landschaft geschleudert." Die Arbeiter legten Felsen um die Ausbruchstelle und schufen so die Basis für den Kegel. Wer in der heißen Quelle waschen oder über heißen Dämpfen kochen will wie früher die Maoris, die Ureinwohner, kann das, wenn er Vorsicht walten läßt.Das Vulkan-Plateau auf Neuseelands Nordinsel um Rotorua mit unzähligen warmen Quellen, Schwefeldämpfen, Kratern, kochenden Seen, heißem blubberndem Schlamm und Geysiren gehört wie der Yellowstone-Park in den USA zu den sehr seltenen Naturschauspielen dieser Art.Rotorua mit 60 000 Einwohnern und über einer Million Besucher pro Jahr hat gut 100 Hotels und Motels.Die Stadt ist Magnet für Fernreisende mit viel und wenig Geld und Ausgangspunkt für Exkursionen.Alle Gäste haben eins gemeinsam: Kostenlos einen heißen Whirl- oder Swimmingpool."Wo kriege ich für so wenig Geld ein heißes Bad unter freiem Himmel und ein sauberes Bett", sagt Rucksacktramper Peter aus Nürnberg im dampfenden Pool der Billigherberge der Kiwi Paka-Kette.TIPS FÜR NEUSEELAND - Anreise: Gut 30 Stunden von Deutschland nach Auckland in Neuseeland mit Zwischenstops.Air New Zealand und United Airlines fliegen die Westroute über die USA; Singapore Airlines, Cathay Pacific und Quantas die Ost-Route über Asien.Von Auckland mit dem Mietauto, dem Linienbus oder dem Zug "The Geyserland" nach Rotorua in zweieinhalb bis vier Stunden. - Reisezeit: Von Oktober bis April / Mai.Danach wird es kalt.Es ist dann Winter in Neuseeland.Im deutschen Winter ist es in Neuseeland sommerlich.Im Frühjahr gehen die Temperaturen zurück.Besonders im Dezember sind viele Hotels ausgebucht, auch mit einheimischen Urlaubern. - Unterkunft: In den Billigherbergsketten, wo viele Rucksackreisende und Weltenbummler Quartier machen, gibt es recht saubere Einzelzimmer (ohne Dusche und Toilette) ab etwa 15 US-Dollar.Gute Zimmer in Hotels und Motels kosten ab 60 US-Dollar aufwärts (für zwei Personen), im Dezember und über Ostern allerdings deutlich mehr.Zum Beispiel im April und Mai kann man vor Ort noch günstigere Preise aushandeln.Schlafen ist auch im Motorcaravan möglich, der in Neuseeland besonders günstig zu mieten ist; ab 40 Dollar pro Tag für zwei Personen.Die Fahrt nach Auckland mit der Bahn kostet etwa 35 US-Dollar.Speisen und Getränke in Imbißbuden und Restaurants sind nicht selten preiswerter als in Deutschland. Geld: Die einheimische Währung ist der Neuseeland-Dollar.US-Dollar sind weitverbreiteter als DM, die bei vielen Banken aber auch getauscht werden. Auskunft: Fremdenverkehrsamt von Neuseeland, Friedrichstraße 10-12, 60323 Frankfurt/Main; Telefon: 069 / 971 21 10, Fax: 069 / 97 12 11 13.

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