Zeitung Heute : "Jugend forscht": Die Welt im Mikroskop

Susanna Nieder

Igitt! Ist das nicht eklig, sich mit Würmern und Maden zu beschäftigen? Sabrina (13) und Sandra (12) schütteln den Kopf. Erstens finden sie das überhaupt nicht eklig. Und zweitens sind die Tiere, die sich unter ihrem Mikroskop krümmen, weder Würmer noch Maden, sondern Larven und Puppen, aus denen später mal Mehlkäfer werden. Das Mikroskop ist an einen Bildschirm angeschlossen, auf dem die Tiere schön groß zu sehen sind.

Seit einem halben Jahr beobachten Sandra und Sabrina, wie aus den Larven Puppen werden und aus denen dann Käfer. Metamorphose nennt man das. Das ist altgriechisch und heißt "Verwandlung". Als dieses Thema in Biologie drankam, beschlossen die Mädchen, sich die Sache näher anzuschauen. "Im Biobuch steht, dass sich die Larven innerhalb von sechs Wochen entwickeln. Das stimmt überhaupt nicht", sagt Sandra.

Sie wälzten Bücher, schauten im Internet nach, notierten jeden Tag die Länge der Larven. Bis zu anderthalb Jahre kann es dauern, bis sie sich in Puppen verwandeln! Gut, dass die beiden Siebtklässlerinnen die Behälter, in denen sich die Tiere zwischen Haferflocken verkrochen hatten, in den Ferien mit nach Hause nahmen. Genau in den zwei Wochen verwandelten sich die langen Larven in runde Puppen. Mittlerweile sind schon ein paar Käfer geschlüpft.

Am nächsten Montag werden Sandra und Sabrina ihre Larven, Puppen und Käfer samt Monitor im Heizkraftwerk Moabit aufbauen. Da findet der Wettbewerb "Jugend forscht" statt, bei dem 52 Schülerarbeiten aus ganz Berlin vorgestellt werden. Manche haben sich zusammengetan wie die beiden Mädchen. Andere forschten alleine wie ihr Klassenkamerad Peter (12).

Peter hat sich überlegt, warum die Augen tränen, wenn man Zwiebeln schneidet. Er stellte fest, dass das mit einer Säure zusammenhängt, gegen die sich das Auge mit Tränen schützt. Wenn er auf zerschnittene Zwiebeln eine Testlösung gibt, färben die sich rot. So kann er beweisen, dass sie tatsächlich Säure enthalten. Am Montag muss er das einer Jury erklären. Außerdem bringt er eine schriftliche Arbeit und ein großes Modell des menschlichen Auges mit und hält einen kleinen Vortrag.

Peter, Sabrina und Sandra sind die ersten aus der Konrad Wachsmann-Oberschule in Berlin-Kaulsdorf, die beim alljährlichen Wettbewerb "Jugend forscht" mitmachen. Außerdem sind Steffi (15) und Stephanie (16) aus der 10. Klasse dabei, die Pflanzen und Tiere im Schulteich untersucht haben, und Ben aus der 8. Klasse, der den Wassergehalt in Pflanzenblättern nachgewiesen hat. Wahrscheinlich sind sie und ihre Lehrerin Susanne Wolter schon mächtig aufgeregt. Ob einer von ihnen einen Preis gewinnt? Wir halten die Daumen!

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