Zeitung Heute : JUGUSLAWIEN : IRAN: Die Jugoslawen bieten keinen Kunstgenuß

HARTMUT SCHERZER

ST.ETIENNE .Sie wollten "der Welt zeigen, was sie ohne uns verpaßt hat".So hatte Kapitän Dragan Stojkovic, neben dem verletzten Savicevic der letzte "Mohikaner" der WM 1990, vor dem Spiel getönt.Nun, nach dem ersten Auftritt der jugoslawischen "Weltauswahl" ist der Welt in den acht Jahren der Verbannung von den großen Turnieren wegen des Balkankrieges wahrlich kein fußballerischer Kunstgenuß entgangen.Erst durch einen haltbaren Freistoß des Spezialisten Sinisa Mihajlovic (73.) Minute) siegte Jugoslawien gegen den Iran 1:0 in der "deutschen" Gruppe F.Berti Vogts und seinen Spielern im Pariser Quartier dürfte diese schwerfällig und zusammenhanglos spielende jugoslawische Mannschaft keine Angst eingejagt haben.

"Ich bin nur mit dem Ergebnis zufrieden, aber nicht mit der Leistung", sagte denn auch Trainer Slobodan Santrac."Ich habe meinen Spielern vorher gepredigt, wie stark diese Iraner sind.Aber keiner wollte mir glauben." Sein Kollege Jalal Talebi blickte tief traurig drein, als er meinte: "Wir haben fair gespielt, gut gekämpft, und es ist sehr schade, daß wir durch eine Standardsituation verloren haben.Aber noch ist unsere Mission nicht beendet.Wir werden gegen die USA und Deutschland kämpfen, und wenn wir denn sterben müssen, werden wir es stehend tun."

Statt des viel gerühmten Kurzpaßspiels zeigten die schleppend spielenden Jugoslawen eher ein Festival der Fehlpässe.Auch ihr Superstar Predrag Mijatovic konnte nichts von seiner Klasse der europäischen Champions League auf der Weltbühne des Fußballs demonstrieren.Zwei Kopfbälle nach Eckstößen von Djorovic (15.) und Jokanovic (31.) auf die Latte und knapp darüber waren denn auch die einzigen Torchancen der ersten Hälfte.Die Iraner hingegen überraschten manchmal auch mit mutiger Spielweise.Das Bundesliga-Trio mit Karim Bagheri (Bielefeld) als Spielmacher und Ali Daei (Bayern München) und Khodadad Azizi (1.FC Köln) als Spitzen suchten couragiert die Offensive.Vor allem der schnelle Azizi stürzte die jugoslawische Viererkette in manche Verlegenheit.Als Azizi zum zweiten Mal den langen Jokanovic "getunnelt" hatte, kamen die Iraner zu ihrer größten Chance vor der Pause.Doch völlig frei schoß Minavand Chal knapp daneben (38.).

Das große Manko: Die Kameraden aus Teheran, Täbris und Isfahan rückten bei den Vorstößen des "deutschen" Trios nicht nach.Die Behäbigkeit seiner "Weltstars" muß Slobodan Santrac schon zur Pause mächtig geärgert haben.Mit den jungen Belgradern Stankovic (19 Jahre) und Ognjenovic (20 Jahre) versuchte er Auffrischung in die zweite Halbzeit zu bringen, holte sogar den schwachen Kapitän Stojkovic vom Platz.Das kaum verdiente 1:0 fiel durch einen Freistoß von Mihajlovic.Mit links und einem Aufsetzer aus 25 Metern überraschte der Abwehrchef von Sampdoria Genua den jungen Torwart Nima Nakisa.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar