Zeitung Heute : Junge Forscher in der Alten Welt

Zukunftsportal Antike: Berliner und Brandenburger Schüler erproben sich auf wissenschaftlichen Berufsfeldern.

Juliane Bartsch
Ein Tachymeter benutzen: Wissenschaftliche Mitarbeiter des DAI erklären Schülerinnen und Schülern des Latein-Leistungskurses des Gymnasiums Steglitz, wie man das Vermessungsgerät verwendet. Foto: Bernd Wannenmacher
Ein Tachymeter benutzen: Wissenschaftliche Mitarbeiter des DAI erklären Schülerinnen und Schülern des Latein-Leistungskurses des...

Nivellierlatte und Tachymeter – was für die Schüler des Latein-Leistungskurses am Gymnasium Steglitz bis vor wenigen Tagen noch unbekannte Fremdwörter waren, ging ihnen schon kurz darauf leicht über die Lippen. Und von der Hand. Denn inzwischen gehen die Oberstufenschüler auch geübt mit Vermessungsgeräten um, entschlüsseln Messwerte und wissen, wofür man die gewonnenen Daten nutzen kann. Gemeinsam mit 80 weiteren Schülern von Berliner und Brandenburger Gymnasien nahmen die Steglitzer Jugendlichen am interdisziplinären Projekt „Zukunftsportal Antike“ des Berliner Antike-Kollegs teil.

„Wenn wir die antike Architektur verstehen, verstehen wir besser, warum wir heute so leben, wie wir leben“, sagt Ulrike Wulf-Rheidt. Die Leiterin des Architekturreferats am Deutschen Archäologischen Institut (DAI) bot im Rahmen des „Zukunftsportals Antike“ den Kurs „Palastbau in der Antike“ an. Darin erarbeitete sie gemeinsam mit den Schülern die Techniken, mithilfe derer in der Antike prachtvolle Bauwerke errichtet wurden. Außerdem zeigte sie ihnen, wie sich antike Bauwerke aus archäologischen Funden rekonstruieren lassen.

„Palastbau in der Antike“ war eine von sechs wissenschaftlichen Veranstaltungen, an denen die 100 Berliner Oberstufenschülerinnen und -schüler teilnehmen konnten. Organisiert wurde das „Zukunftsportal Antike“ von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und dem Exzellenzcluster „TOPOI – Die Formation und Transformation von Raum und Wissen in den antiken Kulturen“, das von Freier Universität und Humboldt-Universität getragen wird. Gefördert wird das Zukunftsportal von der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft.

„Ich hätte nicht gedacht, dass Vermessung und vor allem die Verarbeitung der Daten so komplex ist“, sagte die 16-jährige Mai Vi: „Man kann dadurch sehr genau rekonstruieren, wie die Menschen vor 2000 Jahren Häuser gebaut haben.“

Auch die Schüler des Philosophie-Leistungskurses an der Sophie-Scholl-Schule haben neue Seiten der Alten Welt kennengelernt: In ihrer Projektarbeit im Neuen Museum zum Thema „Wem gehört die Antike?“ ging es am Beispiel von Nofretete und Pergamonaltar um die viel diskutierte Frage nach den richtigen Standorten für die musealen Schätze des Altertums.

Auf einem abschließenden Kongress am 9. März werden die Schüler, die im Rahmen des dreitägigen Auftakts des „Zukunftsportals Antike“ an Workshops zu Geografie, Archäologie, Philosophie und Kunstgeschichte teilgenommen haben, ihr erworbenes Wissen in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften präsentieren. Dabei übernehmen die Jugendlichen nicht nur die inhaltliche Arbeit und die Präsentation ihrer Ergebnisse, sondern sind auch für die Organisation des Abschlusskongresses verantwortlich. Darauf vorbereitet werden sie durch ein Praxistraining in selbst gewählten Kursen zu Themen wie Tagungsorganisation, Grafik, Pressearbeit und Filmdokumentation.

Dass die Schüler die Möglichkeit haben zu einem spezifischen Thema und über einen längeren Zeitraum an einem Antike-Projekt zu arbeiten – genau das macht in den Augen der beteiligten Wissenschaftler den besonderen Reiz des „Zukunftsportals Antike“ aus.

Undine Lieberwirth, Klassische Archäologin an der Freien Universität und Koordinatorin im Exzellenzcluster TOPOI, freut sich, dass die Faszination für die Erforschung des Altertums schon während des ersten Treffens auf die Schülerinnen und Schüler übergesprungen sei. Sie selbst sei mit großer Leidenschaft bei der Sache, sagt die Archäologin: „Eine wissenschaftliche Fragestellung zu entwickeln, Lösungsansätze zu suchen und Analyseergebnisse zu interpretieren – das ist oft spannender als ein Indiana-Jones-Film.“

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