Zeitung Heute : Junge, komm bald wieder

Zweimal legte die „Queen Mary 2“ in Hamburg an – ohne Chefkapitän Ronald Warwick. Das nächste Mal will er auf der Brücke stehen.

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Kommodore, es kommt doch sicher vor, dass Sie nach Ihrem Beruf gefragt werden – von Leuten, die nicht wissen, wer Sie sind. Wie reagieren die, wenn Sie dann antworten, ich bin Kapitän der „Queen Mary 2“, des größten Passagierschiffs der Welt?

Sehr unterschiedlich. Einige sind begeistert und fragen mich über das Schiff aus. Andere reagieren reserviert, fast ehrfurchtsvoll. Dabei bin und bleibe ich ein ganz normaler Mensch. Zwar ist es eine Ehre, der Kapitän der „Queen Mary 2“ zu sein. Es gibt jedoch keinen Grund, eitel zu sein oder sich darauf etwas einzubilden.

Tatsächlich?

Es ist natürlich schon etwas Besonderes, die Reaktion der Leute darauf mitzubekommen. Mein Beruf ist nun mal kein normaler Job. Aber eigentlich zählt doch der Mensch hinter dem Beruf viel mehr.

Sie sind heute Kapitän eines 151 000-Tonnen-Schiffs. Erinnern Sie sich noch, wie Sie mal angefangen haben?

Mein erstes Boot war eine Segel-Jolle, die mir mein Vater schenkte, als ich acht Jahre alt war. Mein erstes Schiff war das Ausbildungsschiff HMS „Conway“, auf dem ich mit 17 Jahren als Kadett meine nautische Karriere begonnen habe. Die „Conway“ war noch ein altes Segelschiff, 62,5 Meter lang und 16 Meter breit. Und sie wog 4375 Tonnen, ein Bruchteil der „Queen Mary 2“.

Ihr Vater war wie Sie Chefkapitän bei Cunard. Ist das ein Job, der vererbt wird?

Ich denke, mein Vater wäre sehr stolz, dass sein Sohn die „Queen Mary 2“ steuert. Ihm habe ich ja auch mein Faible für die Seefahrt zu verdanken, da er mich von klein auf mit aufs Wasser genommen hat und wir in meiner Jugend oft zum Schiffegucken waren. Insofern hat er mir schon in gewisser Weise den Beruf vererbt.

Hat Ihr Vater eigentlich erwartet, dass Sie genauso eine Karriere hinlegen wie er?

Als ich zum ersten Mal die erste „Queen Elizabeth“ sah, wusste ich, dass ich Kapitän eines solchen Schiffes werden wollte. Das war seit frühester Jugend mein Ziel. Und ich habe jahrelang für mein Ziel hart gearbeitet. Mein Vater hat mich aber nie mit Erwartungen unter Druck gesetzt, sondern seine Liebe zur Seefahrt gezeigt, das war viel wirkungsvoller.

Fahren Ihre Kinder auch zur See?

Ich habe meine Kinder schon früh an das Meer gewöhnt und sie mit auf Fahrt genommen. Trotzdem beschränkt sich ihr nautisches Interesse auf die Besuche an Bord der „Queen Mary 2“. Es ist also nicht zu erwarten, dass mein Sohn Kapitän wird. Aber das macht mir ehrlich gesagt nichts aus. Ich bin auch so stolz auf meine Kinder.

Ihr Arbeitsplatz ist 30 Meter über den Wellen. Vergisst man da oben manchmal, dass man an Bord eines Schiffes steht?

Ich vergesse niemals, dass ich auf einem Schiff arbeite und die Verantwortung für mehrere tausend Menschen habe – Crew und Passagiere. Und glauben Sie mir: Selbst auf einem großen Schiff wie der QM 2 spürt man den Seegang. Nicht so stark wie auf kleineren Schiffen, aber eben auch ein wenig.

Als Sie noch die „Queen Elizabeth 2“ kommandierten, wurden Sie einmal von einer Monsterwelle getroffen.

Es sah aus, als würden wir auf die Kliffs von Dover zusteuern. Eine weiße Riesenwand rollte auf uns zu, klatschte bis an die Brückenfenster …

… die sich in 25 Meter Höhe befinden.

Allerdings. Es wurde aber niemand verletzt. Da haben wir wirklich Glück gehabt. Jeder, der solch eine Welle auf sich zukommen sieht, hat Angst. Man weiß ja nicht, was sie anrichten wird. Auch die „Queen Elizabeth 2“ wurde beschädigt, das hielt sich aber in Grenzen.

Sie sind auf allen Weltmeeren unterwegs gewesen. Wie ist das, wenn man mit so einem Riesenschiff die Elbe hochfährt?

Das ist schon etwas ganz anderes. Der Fluss ist kein einfaches Revier, und die „Queen Mary 2“ hat einen so großen Tiefgang, dass man quasi auf der Hochwasserwelle nach Hamburg hineinsurfen muss – da bleibt nur ein schmales Zeitfenster, sonst muss man bis zum nächsten Hochwasser warten.

Im August wurde Ihr Schiff in Hamburg von über 400 000 jubelnden Zuschauern empfangen. Was war das für ein Gefühl?

Auf dieser Fahrt war ich leider nicht an Bord. Kapitän Bernard Warner hat mir aber begeistert davon erzählt – von dem euphorischen Empfang schon morgens früh um fünf Uhr und dem Andrang, der den ganzen Tag über am Cruise Terminal herrschte. Ihn hat am meisten das Blitzlichtgewitter am Elbufer beeindruckt und die Volksfestatmosphäre, die in Hamburg geherrscht hat. Wir sind ja 2006 mit der QM 2 zweimal in Hamburg, und dieses Mal wird der Dienstplan für mich günstiger ausfallen. Ich muss mir das schließlich auch mal anschauen, was an einem solchen Tag dort los ist.

Die Fragen stellte Andreas Austilat.

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