Zeitung Heute : Kalenderblatt: Leo IX. - Reformen für das Kirchenreich

Ingo Bach

Vor 952 Jahren, am 12. Februar 1049, betrat der 46jährige Bischof Bruno barfuß und mit einem Pilgermantel bekleidet Rom. Zwar hatte ihn der deutsche Kaiser Heinrich III. schon sieben Wochen zuvor zum Papst bestimmt. Doch der Bischof von Tour - dessen Bischofssitz an der Mosel damals noch zum Deutschen Reich gehörte - wollte die Bestätigung vom römischen Volk. Mit einem geschickten Schachzug sicherte Bruno, der sich als Papst Leo IX. nannte, sich diese Unterstützung. Er bat die Römer, nach freiem Willen einen geeigneteren Mann zu wählen. Gerührt riefen ihn die Römer einstimmig zum Papst aus - so die propagandistisch gefärbten Berichte seiner Biographen. Leo IX. übernahm als vierter deutscher Papst im Vatikan die Macht, in einer Reihe von insgesamt sieben Landsleuten.

Das Recht, den Papst zu ernennen, stand in der Mitte des 11. Jahrhunderts noch unangefochten dem Kaiser zu. Und obwohl Leo IX. der Kaiserpartei immer die Treue hielt, legten doch seine Kirchenreformen die Grundlage für die Emanzipation der Katholischen Kirche von der weltlichen Vorherrschaft. Zum einen ging er gegen den damals in der Kirche weitverbreiteten Ämterkauf an, zum anderen kämpfte er für die Verschärfung des recht locker gehandhabten Eheverbots für Priester. Er versuchte, die Klöster als Hort der Papsttreuen mit Privilegien zu stärken und sich so eine über Rom hinausreichende Hausmacht zu schaffen. Und schließlich begründete er das Kardinalskollegium, das die Kirche verwalten und den Papst beraten sollte. In der Grundstruktur existiert das von Leo IX. begründete Kirchenorgan unverändert noch heute. Obwohl er nach nur fünf Jahren Pontifikat starb, wird Leo als einer der bedeutendsten Päpste des Mittelalters verehrt.

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