Zeitung Heute : Kalte Kriege, kühler Kopf

Er kämpfte im Zweiten Weltkrieg als Soldat, er kämpfte mit Willy Brandt für die Ostverträge, er kämpfte gegen den Terrorismus. Die Kriegserfahrung hat den SPD-Vordenker Egon Bahr tief geprägt. Und dennoch sagt er: „Wohl dem Volk, das keine Helden braucht“.

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TagesspiegelRedakteur Christoph Amend, 29, hat sich aufgemacht, Deutschlands Großväter zu treffen, um mit ihnen über ihre Erfahrungen im Krieg zu reden – und um herauszufinden, was die Generation der Jungen geprägt hat, die ihrerseits gerade eine Zeitenwende durchlebt. Sein Buch „Morgen tanzt die ganze Welt – die Jungen, die Alten, der Krieg“ erscheint nächste Woche im Blessing Verlag. Vorab veröffentlichen wir, leicht gekürzt, seine Begegnung mit Egon Bahr.

Als er längst ahnte, dass der Krieg verloren war, sah der Soldat Egon Bahr eines Nachmittags ein feindliches Flugzeug vorbeifliegen. Eine Lancaster, ein viermotoriger britischer Bomber, die sich, offenbar angeschossen, in 300 Metern Höhe vorwärts schleppte. „Ein gefundenes Fressen für unsere Zwei-Zentimeter-Vierlingkanonen“, sagt Egon Bahr heute. „Wir haben sie dann abgeschossen.“

Das Flugzeug explodierte beim Aufprall, man lief zum Wrack. Am hinteren Teil des Rumpfes, dem Leitwerk, waren Bomben aufgemalt, jede Bombe stand für 1000 Kilogramm Ladung. Darunter nur ein Wort: „Berlin.“ Er empfand Genugtuung: „Vielleicht ist der daran schuld, dass ich keine Briefe mehr bekomme.“ Dazu muss man wissen, dass Egon Bahr aus Berlin kommt und zu diesem Zeitpunkt lange keine Briefe von seiner Freundin oder seiner Familie erhalten hatte. Abends, als er auf dem Stroh lag, dachte er: „Du müsstest dich schämen. Aber du schämst dich nicht. Der Firnis der Zivilisation ist dünn.“

Die Gefühle eines Soldaten werden direkt empfunden, es geht ja immer um das Wesentliche, um Leben und Tod. Interessant daran, wie schnell man umschalten kann, wenn es sein muss. Die Soldaten sehen, dass an den Bäumen in der Nähe des Wracks die Innereien des toten Piloten hängen. Bei diesem Anblick verschwindet das Gefühl der Genugtuung. Doch als einer der Soldaten ein Bein entdeckt, das aus den Trümmern herausragt, verschwindet das Entsetzen, als sei es nie da gewesen: „Der Engländer trug fabelhafte Filzstiefel“, erinnert sich Egon Bahr, „da haben einige angefangen zu plündern. Fallschirmseide war etwas Begehrtes im Krieg, Pistolen auch.“ An der Plünderung habe er sich nicht beteiligt, betont er.

Warum er heute davon erzählt? Dieses Erlebnis, sagt Bahr, habe sein Leben geprägt, sein Menschenbild, sein Handeln als Politiker. Damals sah er, „wie leicht es ist, aus Menschen Bestien zu machen, das Menschliche zum Verschwinden zu bringen. Was aus den Menschen wird, ob sie gut oder böse handeln“, erklärt er, „hängt oft nicht so sehr vom Einzelnen ab, sondern von der Lage, in die er gebracht wird“. An jenem Abend schwor er sich: „Wenn du aus dieser Scheiße rauskommst, wirst du mit allem, was du hast und kannst, dafür sorgen, dass eine solche Scheiße nicht mehr passiert.“

Der Fußballfan

Ich treffe Egon Bahr an einem Dienstagnachmittag. Er war einer der engsten Berater von Willy Brandt und einer der Väter der Ostpolitik, und noch immer hat er ein Büro in der SPD-Zentrale in Berlin. Unser Termin ist für zwei Uhr angesetzt, aber einen Tag zuvor merke ich, dass das Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Korea um halb zwei angepfiffen wird, es ist das Halbfinale in der Fußballweltmeisterschaft 2002, die in Japan und Korea ausgetragen wird. Vorsichtig frage ich am Telefon Frau Winkelmann, Bahrs Sekretärin, ob wir den Termin um eine Stunde verschieben können, vorsichtig, weil man ja nie weiß: Vielleicht verachtet Bahr Fußballfans, oder er ist wie Walter Jens, der einmal in einem Interview sagte, er freue sich über jede Niederlage der Nationalmannschaft, weil das die Deutschen im Ausland sympathischer erscheinen lasse. „Gut, dass Sie daran denken!“, sagt Frau Winkelmann. „Herr Bahr hat sich extra einen Fernseher ins Büro stellen lassen.“ Wir verabreden uns für „direkt nach Abpfiff“.

Am nächsten Tag, kurz nach drei. Deutschland hat gewonnen. Als ich Egon Bahrs Büro betrete, läuft der Fernseher noch. Und Bahr freut sich: „Wer hätte das gedacht? Der Oliver Kahn hält ganz fantastisch, nicht?“

Man muss sich das Gespräch, in dem es um Leben und Tod geht, um Loyalität und Patriotismus, vor der Geräuschkulisse der Fußball-WM vorstellen. Loyalität und Patriotismus – Begriffe, vor denen man sich gerne drückt, weil das „Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein“ an brüllende Skinheads erinnert. Aber darum geht es nicht im Gespräch mit Egon Bahr: Es geht um das eigene Verhältnis zum Heimatland. Durch das Fenster sind hupende Autos zu hören, Fans, die mit wehenden schwarz-rot-goldenen Fahnen durch die Straßen fahren, den Sieg ihres Landes feiern.

Egon Bahr wird am 18. März 1922 als einziges Kind eines Lehrers im thüringischen Treffurt geboren, geht in Torgau zur Schule, und als seine Familie nach Berlin zieht, wechselt er 1938 auf das Gymnasium in Friedenau. Sein Vater, weiß er, habe 1933 gesagt, mit den Nazis komme der Krieg, aber der begann erst sechs Jahre später und war zunächst sehr erfolgreich. Schon 1938 ist der Vater sicher, „den Krieg werden wir verlieren“. Aber der junge Egon glaubt ihm nicht – zu leicht werden Polen, Dänemark, Norwegen und Frankreich eingenommen. Erst als er im Juni 1941 das erste Mal im Radio die so genannte Russland-Fanfare hört – die Nazis setzten Franz Liszts „Les Préludes“ als Begleitmusik für den Ostfeldzug ein –, fühlt er, „wie der Boden unter meinen Füßen bebte. Da glaubte ich, dass mein Vater Recht behalten könnte mit seiner Voraussage: Das wird das Ende Deutschlands.“

1942 wird Bahr zum Kriegsdienst eingezogen. Er hat die Marschpapiere für den „Mittelabschnitt Minsk“ – ein Höllenkommando – schon in der Tasche. Doch er hat Glück: „Dem Führer und Reichskanzler gefiel es, in das unbesetzte Frankreich einzumarschieren. Da brauchte man ein paar Fahnenjunker mehr. Und wie das bei Preußens zu sein pflegt, wird oben auf die Liste geguckt, und der Buchstabe B steht ja ziemlich weit oben.“ Statt nach Minsk kam er nach Brüssel, dort erhielt er den Auftrag, mit seiner Einheit ins französische Crécy-en-Ponthieu in der Nähe von Abbeville zu fahren, der Station, wo seine Batterie den Bomber abschießen sollte.

Den Unterlagen nach war Egon Bahr ein guter Soldat, auch wenn er heute sagt, der Drill habe ihm nicht behagt. Er schlägt die Leutnantslaufbahn ein „und wäre auch einer geworden“, wenn da nicht die Sache mit der jüdischen Großmutter gewesen wäre. Das hat ihm schon seine Musikerkarriere vereitelt, vor der Einberufung in die Wehrmacht wollte er Musiker werden, erhielt aber keine Studienerlaubnis. Soldat durfte er werden. Es braucht nicht viel, um die innere Zerrissenheit zu erahnen, die einer verspüren muss, wenn ihn die Nazis als Menschen zweiter Klasse einstufen, er sich jedoch an der Front für Volk und Vaterland opfern darf.

1944 kommt Egon Bahr auf die Kriegsschule nach Kitzingen, er soll zum Leutnant ausgebildet werden. Eines Tages trifft ein Brief seines Vaters ein, das Gau-Sippenamt habe sich nach seinem Ariernachweis erkundigt. Es stellt sich heraus, dass die Großmutter in seiner Wehrstammrolle erwähnt war, seine Dienststellen es jedoch versäumt hatten, dies zur Kenntnis zu nehmen. Er wird nicht angeklagt, aber aus der Wehrmacht entlassen.

Das Ende des Krieges erlebt Egon Bahr mit seiner späteren Frau in Tegel-Ort, am Rand von Berlin. Jeden Tag und jede Nacht sieht man von dort aus die brennende Stadt. Das Telefonnetz funktioniert noch, die Elektrizität auch, und wenn man in Zehlendorf oder Neukölln jemanden anruft, fragt man zuerst, ob „die Russen da sind. Seid ihr dort schon befreit oder nicht?“ Als die Telefonleitung tot und der Strom weg ist, hört Bahr, der Krieg sei zu Ende. Es ist der 8. Mai 1945.

Heute spricht er von Befreiung. Hat er das damals auch so empfunden, oder war nicht doch das Gefühl der Niederlage stärker? Er antwortet mit einem Zitat aus Richard von Weizsäckers Rede vom 8. Mai 1985: „Was er gesagt hat, war völlig richtig: Wir waren befreit, wir waren aber auch besiegt. Beides stimmte, beides habe ich empfunden.“

Befreit auf der rationalen Ebene, aber emotional besiegt? Nach ersten, prägenden Begegnungen mit Russen und Amerikanern gefragt, erzählt er zwei Geschichten, die beide kein gutes Licht auf das Verhalten der Siegermächte werfen. Kurz vor Kriegsende, konnte Bahr einen russischen Soldaten daran hindern, seine Freundin zu vergewaltigen. Während er dem Mann klar zu machen versuchte, dass sie ein Kind erwarte, auf ihren Bauch deutete, hatte der Russe den Lauf seines Maschinengewehrs an Bahrs Kehle gelegt. Dazu spielte ein Radio im Hintergrund Unterhaltungsmusik. Das zu den Russen.

Und die Amerikaner? In der Nachkriegszeit traf er einmal vor dem Rathaus in Berlin auf drei amerikanische Kriegsberichterstatter, er erinnert sich bis heute an das Wappen, das auf ihre Uniformen genäht war: „War Correspondent.“ Der Erste fragte ihn: „Haben Sie auch Vergewaltigungen der Russen erlebt?“ Er nickte: „Ja.“ Da drehte der Amerikaner sich zu den anderen um und sagte: „Seht ihr, auch ein Nazi.“

Trotz oder vielleicht gerade wegen dieser negativen Erfahrungen hat es sich Egon Bahr zur Aufgabe gemacht, die beiden deutschen Staaten zusammenzuführen. Er hat später voller Stolz erzählt, dass weder die Sowjetunion noch die USA etwas ändern wollten an der Situation. Also versuchte er, um eine deutsche Wiedervereinigung herbeizuführen, die zwei großen Besatzungsmächte, Russen und Amerikaner, an einen Tisch zu bekommen. Wenn man so will, nahm der einst Besiegte die Sieger von einst an der Hand und feierte eigene kleine Verhandlungssiege. Man nannte ihn damals „Tricky Egon“.

Egon Bahr war ein Vordenker; 1960 hielt er in der Evangelischen Akademie in Tutzing einen Vortrag, der „zur Leitlinie von Willy Brandts Ostpolitik“ werden sollte, wie die Süddeutsche Zeitung später schrieb. Der berühmte Begriff vom „Wandel durch Annäherung“ findet sich zum ersten Mal in seiner Tutzinger Rede. Er arbeitete zu der Zeit als Journalist, seine Ideen wären wohl in Zeitungsarchiven verschwunden, wenn ihn kurz danach nicht Willy Brandt, damals Regierender Bürgermeister von Berlin, an die Spitze des Presseamtes berufen hätte. In den 70ern, als Brandt Bundeskanzler war und Bahr Minister für besondere Aufgaben, setzten sie die Ostpolitik durch. Die „Zone“ wurde zur „anderen Seite“.

Die beiden Männer stiegen gemeinsam auf, auch ihr Abstieg verlief parallel. 1974 trat Brandt zurück, und der nachfolgenden Regierung unter Bundeskanzler Helmut Schmidt gehörte Bahr zunächst nicht an. Er rückte zwar später als Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit nach und wurde Ende der 70er Jahre Bundesgeschäftsführer der SPD, aber den Höhepunkt seiner Macht hatte er überschritten. Genauso ging es Willy Brandt, der bis weit in die 80er Jahre Vorsitzender der SPD blieb, dessen Rolle aber nicht mehr zu vergleichen war mit dem strahlenden Wahlsieger von 1972.

Egon Bahr spricht gerne über „ihn“, doch Brandts Namen nimmt er während unseres Gesprächs nur einmal in den Mund. „Er“ muss reichen, eine ganz besondere Art der Verehrung. Natürlich hängt in Bahrs Büro, das ansonsten karg mit einem Tisch und drei Stühlen eingerichtet ist, ein riesiges Bild von „ihm“. Wie war es, frage ich jetzt: „Haben Sie und Brandt jemals darüber gesprochen, dass Sie im Zweiten Weltkrieg gegnerischen Lagern angehörten, in übertragenem Sinne?“

Bis zu diesem Moment saß Egon Bahr leicht nach vorn gebeugt auf der anderen Seite des Schreibtischs und hat nicht gezögert mit seinen Antworten. Nun lehnt er sich zurück, verschränkt die Arme, seine graublauen Augen schauen streng in meine Richtung. Wie gerne wüsste ich, welcher Film vor seinem inneren Auge abgespielt wird. Er schweigt noch immer. Vielleicht denkt er an die Vorwürfe, die sich Willy Brandt anhören musste, als er längst ein anerkannter Politiker in der Bundesrepublik war. Man sagte, er habe während des Krieges auf deutsche Soldaten geschossen, was sich als falsch erwies. Der populäre Brandt sollte als Vaterlandsverräter gebrandmarkt werden. Dazu muss man wissen, dass Willy Brandt eigentlich Herbert Ernst Karl Frahm hieß und als Sozialist 1933 vor den Nazis nach Norwegen floh, 1937 einige Monate während des Bürgerkriegs in Spanien war, 1940 von den Nazis gefangen gehalten wurde, wieder floh und bis Kriegsende in Schweden gelebt hatte. Brandt war ein bekannter Widerständler gegen das Hitler-Regime, und Bahr hatte Hitlers Regime gedient. Zwei Männer, zwei Seiten.

Er lehnt sich nach vorn. „Ich habe nie empfunden, dass er auf der anderen Seite war. Er war nur woanders.“ Dann erzählt er, wie er Christa Wolf in den 70ern bei einem Empfang der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik in Ost-Berlin zum ersten Mal begegnete. „Sie sagte: ,Guten Tag’, und ich hatte das Gefühl, dass wir beide auf derselben Seite standen.“ Er lehnt sich zurück. „Tricky Egon.“ Er hat nicht auf meine Frage geantwortet. Ich frage noch einmal, wie die Gespräche zwischen Brandt und ihm verliefen, wenn es um dieses heikle Thema ging. „Ich kann mich nicht erinnern, dass wir darüber gesprochen haben. Wir hatten offen gestanden auch keine Zeit dafür.“

Das große Schweigen

Keine Zeit? Über 30 Jahre lang? „Gelegentlich kam eine Bemerkung von seiner Seite“, so Bahr, wobei er das zweite E dehnt, also „geleeeeegentlich“ sagt, „über seine spanische Zeit, wie gefährlich das manchmal war, weil man nicht wusste, wer wen umbringen will. Aber aus Büchern habe ich später mehr erfahren als von ihm selbst.“ Wie muss man sich das vorstellen? Beide wussten, was der jeweils andere gemacht hatte im Krieg, und doch konnten sie nie darüber reden. Selbst bei Intellektuellen wie Brandt und Bahr gab es also dieses Schweigeabkommen. Es muss tief in der Seele der Bundesrepublik verwurzelt sein, wenn sich selbst die beiden daran gehalten haben.

Ende der 70er Jahre, Deutscher Herbst. Als die „Rote Armee Fraktion“ mit ihren Anschlägen begann, weil sie glaubte, auf der Seite der Entrechteten zu stehen, war Egon Bahr in Bonn Bundesgeschäftsführer seiner Partei. Ich erzähle ihm von einer Szene aus Heinrich Breloers Film „Das Todesspiel“. Da sieht man den CSU-Politiker Friedrich Zimmermann, der betont, man habe vor der Wahl gestanden, die Kriegserklärung zu akzeptieren oder zu kapitulieren – er meint den Krieg zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der RAF. Er sagt: „Wir haben den Krieg angenommen.“ Dann zählt er auf, wer damals im Krisenstab saß: Leutnant Wischnewski, Leutnant Zimmermann, Leutnant Herold, Oberstleutnant Strauß, Oberstleutnant Schmidt. Diese jungen Terroristen hatten einer Generation den Krieg erklärt, die wusste, was es heißt, an der Front zu kämpfen. Egon Bahr nickt zustimmend.

Wie hat Leutnantsanwärter Bahr diese Tage in Erinnerung? „Man wusste, wer Soldat gewesen war. Darüber brauchte man nicht zu reden. Wir wussten voneinander, dass wir alle existenzielle Situationen überlebt hatten, und wir hatten gelernt, dass man sie kühl bestehen kann. Man muss existenzielle Entscheidungen sogar mit kühlem Kopf treffen. Das galt für jeden, der da saß.“

Ein kühler Kopf – und darauf spielte Egon Bahr an – war vor allem bei der Entführung von BDI-Präsident Hanns-Martin Schleyer nötig. Die RAF wollte ihn nur dann freigeben, wenn im Gegenzug die Ausreise der inhaftierten RAF-Mitglieder Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe bewilligt werde. Der Krisenstab ließ sich darauf nicht ein und versuchte, das Versteck Schleyers rechtzeitig ausfindig zu machen. Vergeblich: Am 18. Oktober 1977 gab die RAF bekannt, man habe Schleyer umgebracht.

Was es mit dem kühlen Kopf genau auf sich hat? Aus der Erfahrung des Krieges, sagt Bahr, entstehe eine Art Mut, eine kalkulierte Risikobereitschaft. Manchmal habe er den Eindruck, dass Menschen, die eine solche Erfahrung nicht gemacht haben, zögernder seien. Er meine das nicht als Vorwurf: „Die Jüngeren haben Glück gehabt, in die Normalität hineingeboren zu werden. Na, wohl dem Volk, das keine Helden braucht!“

„Sind Sie ein Patriot?“, frage ich daraufhin. „Ja.“ „Waren Sie das auch vor 60 Jahren?“ „Ja.“ „Vor 30 Jahren?“ „Ja.“ „Hat sich Ihr Verhältnis zu Deutschland in den vergangenen sechs, sieben Jahrzehnten verändert?“ „Nein.“

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