Zeitung Heute : Kamerawagen fotografieren jedes Haus in Deutschland

PETRA ALBERS

Langsam fährt ein schwarzer Transporter durch die Straßen.Auf dem Wagen sind acht Kameras installiert, die jedes Haus fotografieren - aus verschiedenen Perspektiven, insgesamt 50mal pro Sekunde.Nach und nach will der Tele-Info-Verlag in Garbsen bei Hannover auf diese Weise sämtliche Häuser in Deutschland erfassen.Alle Bilder speist der Verlag in eine riesige Computer-Datenbank ein.

"Hannover, Hamburg und Düsseldorf haben wir inzwischen komplett", erklärt Rolf Gotthardt, Prokurist des Tele-Info-Verlages, und klickt mit der Maustaste seines Computers: Klick - ein weißes Einfamilienhaus in Hannover von schräg vorne, Klick - jetzt erkennt man die Blumen in den Fenstern, Klick - die Hausnummer.Bis März nächsten Jahres sollen sechs Kamerawagen die 30 größten deutschen Städte vollständig fotografiert haben, Ende 1999 will der Verlag alle Städte mit mindestens 20000 Einwohnern eingespeist haben.Rund 6,5 Millionen Mark wird das Projekt nach Schätzung Gotthardts kosten.

Nutzen sollen die Bilder vor allem Rettungsdiensten, Straßenbauämtern und Kurierdiensten: "Wir erfüllen den Bedarf nach mehr Information", meint Gotthardt.Diesen Bedarf hat auch die Feuerwehr Hannover: "Bisher haben wir nur Skizzen und Grundrisse von besonders gefährdeten Objekten", erläutert Hagen Ebel, Abteilungsleiter Technik bei der Feuerwehr."Mit der Datenbank könnte sich unser Einsatzleiter ein genaues Bild von den äußeren Bedingungen am Unglücksort verschaffen, noch ehe er dort eingetroffen ist."

Dennoch warnt der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Joachim Jacob, vor "einer neuen Dimension von Datenmacht in privater Hand".Der Tele-Info-Verlag war bereits vor acht Jahren in die Kritik geraten, nachdem er das erste Telefonbuch auf CD-ROM veröffentlicht hatte.Mit der Bild-Datenbank würden nun die Voraussetzungen geschaffen, sie mit Telefon- oder Anschriftendateien zu verknüpfen und gegebenenfalls später im Internet anzubieten, befürchtet Jacob.

Genau diese Absicht habe der Verlag jedoch nicht, betont Gotthardt: "Die Bild-Datenbank ins Internet zu stellen, scheitert schon allein an den technischen Möglichkeiten." Denn das Bildmaterial über ganz Deutschland werde 44000 Gigabyte umfassen."Das können wir nicht im Internet unterbringen." Wegen der großen Datenmengen beabsichtigt der Verlag, seine Bild-Dateien nicht als Gesamtpaket, sondern nur städteweise zu verkaufen

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