Zeitung Heute : KAMERUNS FUSSBALLER NACH 1:1 ERBOST ÜBER SCHIEDSRICHTERLEISTUNG: "Entscheidung von einem, der ahnungslos ist"

NANTES (sid).Kameruns "unzähmbare Löwen" schäumten vor Wut.Am liebsten hätten sie den ungarischen Schiedsrichter Laszlo Vagner aufgefressen, nachdem dessen einzige grobe Fehlentscheidung beim 1:1 (0:1) gegen Chile alle Achtelfinal-Hoffnungen zunichte gemacht hatte.Vor dem vermeintlichen Siegtreffer von Francois Omam-Biyick in der 58.Minute hatte Vagner ein Foul von Patrick Mboma an Ronaldo Fuentes gepfiffen - ein Foul, das außer ihm keiner gesehen hatte.

Die Augen von Kameruns Trainer Claude Le Roy funkelten noch lange nach Spielende vor Zorn."Es gab nicht die leiseste Andeutung eines Fouls.Das war eine Entscheidung von jemandem, der nichts vom Fußball versteht", sagte der Franzose und feuerte eine verbale Breitseite gegen Sepp Blatter, den neuen Präsidenten des Internationalen Fußball-Verbandes (FIFA), hinterher, der die Partie im Stade de la Beaujoire von Nantes selbst miterlebt hatte.

"Herr Blatter ist ein glänzender Organisator, und nur darauf sollte er sich konzentrieren.Wenn das der Fußball ist, den er sehen will, verstehe ich gar nichts mehr.Hoffentlich zieht die FIFA die Lehren aus dieser WM", schimpfte der äußerlich beherrschte Le Roy und spielte damit auch auf die beiden Roten Karten gegen Rigobert Song (52.) und Lavriano Etame (88.) an.Die Platzverweise Nummer zwei und drei gegen Kamerun während dieser WM, jeweils nach Fouls gegen Chiles Torjäger Marcelo Salas, waren aber berechtigt.

Doch selbst in Unterzahl war der WM-Viertelfinalist von 1990 über weite Strecken die klar bessere Mannschaft.Nach Chiles Führung durch Jose Sierras herrlichen Freistoß (21.) hatte Mboma (56.) ausgeglichen, der Treffer von Omam-Biyick nur zwei Minuten später wäre gegen die immer nervöser wirkenden Südamerikaner hochverdient gewesen."Wir sind tief enttäuscht.Eigentlich hätten wir gewinnen müssen, aber so ist Fußball", kommentierte Stürmer Alphonse Tchami von Hertha BSC Berlin.

"Am Ende hat uns eine Schiedsrichterentscheidung aus der Weltmeisterschaft geworfen", sagte Le Roy, räumte allerdings ein: "Natürlich tut uns das späte Ausgleichstor gegen Österreich immer noch weh." Neben Toni Polsters 1:1 in der Nachspielzeit trug auch das Chaos in Kameruns Fußball mit drei Trainern binnen weniger Monate zum dritten Vorrunden-Aus nach den Titelkämpfen von 1982 und 1994 bei.Der nächste Wechsel folgt nunmehr auf dem Fuß.Der extra für die Weltmeisterschaft verpflichtete Le Roy geht zu Racing Straßburg.

Während sich Kameruns Kicker traurig verabschiedeten, feierten viele der 15 000 chilenischen Fans in Nantes bis in die späte Nacht den größten Erfolg seit 36 Jahren.Der WM-Dritte von 1962 überstand erstmals eine Vorrunde außerhalb Chiles, obwohl es dabei auch im dritten Spiel nicht zum ersten Sieg seit der Endrunde im Andenstaat reichte.

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