Kampf gegen den Islamismus : Zwölf Festnahmen in Paris

Nach den Anschlägen in Paris hat Frankreich alle Sicherheitskräfte mobilisiert, um die Hintermänner der Attentate zu finden. Wie geht die Polizei vor, und welche Erfolge kann sie bisher vorweisen?

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US-Außenminister John Kerry besuchte zusammen mit seinem französischen Kollegen Laurent Fabius die Tat- und Gedenkorte, hier der Redaktionssitz von "Charlie Hebdo"
US-Außenminister John Kerry besuchte zusammen mit seinem französischen Kollegen Laurent Fabius die Tat- und Gedenkorte, hier der...Foto: AFP/Thomas Samson

Telefone werden abgehört, Wohnungen durchsucht, Verdächtige festgenommen: In Frankreich gehen die Sicherheitsbehörden sogar den kleinsten Verdachtsmomenten im Zusammenhang mit den islamistisch motivierten Anschlägen auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" und den koscheren Supermarkt in der vergangenen Woche nach. In der Nacht zu Freitag wurden in der Region um Paris neun Männer und drei Frauen festgenommen. Sie stehen im Verdacht, den Brüdern Kouachi und Amedy Coulibaly „logistische Hilfen“ bereitgestellt zu haben. Sicherheitskreise bestätigten Medienberichte, wonach es dabei um die Beschaffung von Waffen und Wagen ging.

Razzien in Montrouge, Grigny und Epinay

Die französische Polizei ermittelt nun auf lokaler Ebene, an den Orten des Wirkens der Attentäter. So gab es zum Beispiel mehrere Razzien in Montrouge, wo Amedy Coulibaly eine Polizistin in der vergangenen Woche niedergeschossen hatte. Aber auch in seinem Geburtsort Grigny südlich von Paris und in Epinay-sur-Seine durchsuchten Beamte mehrere Wohnungen. Laut Sicherheitskreisen wird in Epinay eine Spur verfolgt, die im Zusammenhang mit der Geiselnahme im koscheren Supermarkt „Hyper Cacher“ stehe.

Das französische Innenministerium mobilisiert in diesen Tagen alle verfügbaren sicherheitsdienstlichen Ressourcen, um Informationen über die islamistische Szene im Land zu sammeln. Anders als in Deutschland ist der Einsatz aller Sicherheitsdienste auch im Inland erlaubt. Am Freitag äußerte sich auch Premierminister Manuel Valls zu den Antiterroreinsätzen in Belgien und Deutschland. Zwischen den islamistischen Anschlägen in Frankreich und dem Anti-Terror-Einsatz der Polizei in Belgien gebe es „keine direkte Verbindung“, sagte er.

Die USA entschuldigen sich

US-Außenminister John Kerry versuchte derweil bei einem Paris-Besuch am Freitag, seine und Barack Obamas Abwesenheit beim Marsch in Gedenken an die Opfer vergessen zu machen. Die US-Regierung gab offiziell zu, dass es eine falsche Entscheidung war, nicht mit dem Präsidenten oder zumindest dem Außenminister anwesend zu sein. Mit seinem französischen Kollegen Laurent Fabius besuchte Kerry nun die Tat- und Gedenkorte in Paris und entschuldigte sich erneut für seine Abwesenheit. Präsident François Hollande rief John Kerry und die US-Regierung auf, „gemeinsame Antworten“ auf den islamistischen Terror zu finden.

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