Zeitung Heute : Kampf und Handel in den Kolonien

BERTRAM KÜSTER

Die deutsche Firma "Sunflowers" will mit "Anno 1602" den internationalen Spielemarkt erobernVON BERTRAM KÜSTERDie Firma Sunflowers aus Langen hat ein ehrgeiziges Ziel: Mit ihren Computerspielen will sie den internationalen Markt erobern.Wie in der Filmindustrie haben auch hier die USA die Vorherrschaft.Ausnahmen bestätigen die Regel: 1996 gelang beispielsweise der deutschen Firma Blue Byte mit "Die Siedler 2" ein weltweiter Erfolg.Sunflowers wurde 1993 von Adi Boiko, dem ehemaligen Gründer und Geschäftsführer des Softwarevertriebs Bomico, gegründet.Zunächst beschränkten sich die Langener gezielt auf den deutschsprachigen Raum, um die "für den internationalen Markt nötige Erfahrung" zu sammeln, wie Chefentwickler Jürgen Reußwig betont.Mit "Aufschwung Ost" oder "Die Fugger 2" hatten sie mit dem hierzulande sehr beliebten Genre der Wirtschaftssimulationen erste Erfolge.Mit "Anno 1602 - Erschaffung einer neuen Welt" wurde nun ein Spiel geschaffen, das für Sunflowers auch den internationalen Durchbruch bedeuten könnte.Der Hoffnungsträger entstand in Coproduktion mit der österreichischen Spieleschmiede MAX-Design.Die Österreicher lieferten die Idee und leisteten die komplette Programmierarbeit für das Programm.Beinahe zwei Jahre arbeiteten 30 Mitarbeiter an dem neuartigen Genre-Mix aus Handelssimulation, Aufbau-Spiel und Echtzeit-Strategie.Seit Anfang April wird nun zunächst der deutschsprachige Markt in Angriff genommen - mit vollem Erfolg: Von Null auf Eins kletterte "Anno 1602" in den Computerspiele-Charts von Media Control.Die Konkurrenz ließ man um Längen hinter sich.Gespielt wird vor dem Hintergrund des Kolonialzeitalters.Beginnend mit einem einzigen Schiff und etwas Baumaterial besteht die Aufgabe des Spielers in der Besiedelung einer Inselwelt und der Versorgung der Kolonien mit Nahrung und Rohstoffen.Je weiter der Aufbau der Infrastruktur und des Wirtschaftskreislaufes voranschreitet, um so anspruchsvoller sind die Bedürfnisse der Bewohner.Die Gesellschaft entwickelt sich, im Laufe der Zeit formieren sich Gruppen aus Bürgern, Kaufleuten und Aristokraten.Bis zu drei menschliche oder computergesteuerte Konkurrenten streiten sich dabei mit dem Spieler um die fruchtbarsten Inseln oder dienen als Handelspartner für Waren und Rohstoffe, die im eigenen Gebiet nicht zur Verfügung stehen.Zudem kann man nach dem Aufbau einer Armee und der Produktion von Kriegsschiffen die Gegner auch angreifen und deren Inseln erobern.Und dann sind da noch die Piraten, die den Seehandel unsicher machen.Das Spiel besticht auf den ersten Blick durch die Grafik, der man die Liebe zum Detail ansieht.Da schultert der Jäger den erlegten Hirsch, Schafe und Rinder grasen auf den Wiesen und in der Stadt treiben Kinder ihre Reifen durch die Straßen.Wo andere Wirtschaftssimulationen mit unzähligen Statistiken aufwarten, gibt "Anno 1602" auf einen Blick zu erkennen, wie es um das errichtete Wirtschaftssystem steht: Die Schornsteine qualmen, Mühlen drehen sich im Wind und die Waren stapeln sich vor den Häusern.Auf diese Weise erhält das Spiel "ein großes Potential, auch Nicht-Spieler anzuspechen", so Reußwig.Angesprochen fühlte sich bereits das Fachpublikum im vergangenen Jahr auf den beiden größten Messen der Branche, der E3 (Electronic Entertainment Expo) in Atlanta und der ECTS (European Consumer Trade Show) in London.Die große Resonanz auf den ersten internationalen Auftritt von Sunflowers und deren Vorzeigeprojekt stimmte optimistisch.Sogar auf das Weihnachtsgeschäft verzichteten die Hessen kurzerhand, um "Anno 1602" noch den letzten Feinschliff zu verpassen.Bis zum erwarteten internationalen Durchbruch muß man sich bei Sunflowers jedoch noch gedulden.Erst im September soll die englische Version fertig sein, mit der dann der weltweite Handel eröffnet werden kann. "Anno 1602 - Erschaffung einer neuen Welt", Sunflowers/MAX Design, 80 DM, Systemvoraussetzungen: Multimedia-Pentium 100, 16 MB RAM, 85 MB freien Festplattenspeicher und Windows 95, unterstützt Mehrspieler-Modus für bis zu vier Mitspieler über Netzwerk oder zwei Spieler über Modem.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben