Zeitung Heute : Kaninchen und Schlange

KLAUS MARTIN HÖFER

Das drohende Unheil lähmt: Zwar wird die Gefahr erkannt, doch für die entsprechenden Gegenmaßnahmen sind die Betroffenen nicht zu bewegen.Wie das Kaninchen auf die Schlange, so hat die Psychologin Jeannette Zempel von der Universität Nürnberg-Erlangen herausgefunden, starren Arbeitnehmer auf ihre Situation, wenn ihnen Arbeitslosigkeit droht.Besonders bei schlechter qualifizierten Beschäftigten paart sich die drohende Entlassungsgefahr mit mangelnder Eigeninitiative.Der Jobverlust wirkt sich dann möglicherweise auf die Gesundheit aus - viele psychische und psychosomatische Erkrankungen führen Therapeuten auf die Arbeitslosigkeit als Auslöser zurück.Depressionen, Verbitterung, Hilflosigkeit, eine grundlegende pessimistische Lebenseinstellung können die Folge sein.

Bevor es soweit kommt, sollten gerade niedrig qualifizierte Beschäftigte auf diese Situationen vorbereitet werden, so der Vorschlag von Psychologen.Sie sollten ermutigt werden, selbst tätig zu werden, Lehrgänge zu besuchen, sich auch eigenständig auf die Suche nach neuen Arbeitsmöglichkeiten zu begeben.Grundlegender Fehler: Von Arbeitslosigkeit bedrohten Menschen falle die Überwindung anstehender Hindernisse deutlich schwerer als Arbeitnehmern, die nicht von der Entlassung bedroht seien.Auch für die Weiterbildung fehle die Motivation.Dem müsse, so die Psychologin Zempel, rechtzeitig entgegengewirkt werden.

Hilft alles nicht und der Arbeitsplatz geht dennoch verloren, kann neben einem Finanzpolster auch die Persönlichkeitsstruktur vor einem tiefen Fall schützen, vielleicht auch bald wieder in Lohn und Brot führen."Nicht zu resignieren", sei dabei das beste Rezept.Solche Personen hätten die größten Chancen, einer Depression aus dem Wege zu gehen."Sie setzen sich längerfristige Ziele, überlegen sich Handlungsmöglichkeiten für Probleme und planen ihr Vorgehen", erläutert Jeannette Zempel.Außerdem suchten sie, so ihre These, bei sich selbst nach Ursachen für den Jobverlust und fänden damit offensichtlich leichter aus der Lethargie heraus.Neben der positiven Einstellung müßten persönliche Weiterbildungen und außergewöhnliche Bewerbungswege hinzukommen, um einen neuen Arbeitsplatz zu ergattern.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben