Zeitung Heute : Kapitalnot macht erfinderisch

Patente, Marken oder Fahrzeuge sind wichtige Vermögenswerte. Asset-Finanzierungen erleben seit Basel II einen Aufschwung.

Gisela Demberg
Der richtige Dreh. Mit Crowdfunding können Start-ups Geld auftreiben, um Patente gewinnbringend zu nutzen – ein Finanzierungsmodell, von dem Leonardo da Vinci bei der Erfindung seines Schwerlasthebers wohl noch nichts wusste. Foto: Friso Gentsch/picture-alliance-dpa
Der richtige Dreh. Mit Crowdfunding können Start-ups Geld auftreiben, um Patente gewinnbringend zu nutzen – ein...Foto: picture alliance / dpa

Ideen brauchen in aller Regel investives Kapital, um umgesetzt werden zu können. Man denke nur an IT-Equipment, Telefonanlagen, Fahrzeuge, Büroausstattung oder Ladeneinrichtungen sowie Produktionsmaschinen. Doch seit der Krise am Kapitalmarkt 2008 ist der Mittelstand in Alarmbereitschaft. Viele Unternehmen befürchten, sich in Zukunft nicht mehr ausreichend und günstig mit Kapital versorgen zu können. In der Tat hat sich das Angebot an Finanzierungsmöglichkeiten seit Basel II gründlich verändert – aber nicht unbedingt zum Negativen. So ersetzen Finanzierungen auf Basis von Unternehmensaktiva, Forderungen und immateriellen Vermögenswerten zunehmend die traditionelle Hausbank-Finanzierung.

Beispiel Leasing: Ein Barkauf bindet Kapital. Leasing dagegen stellt Sachkapital zur Verfügung, das zwar einem anderen gehört – der Leasinggesellschaft –, aber uneingeschränkt vom Leasingnehmer im Rahmen der vertraglichen Ausgestaltung genutzt werden kann. Darüber hinaus gibt es noch Mietkauf und Miete. Was jeweils vorteilhafter ist, entscheidet sich nach den unternehmerischen Einsatzbedürfnissen sowie Kostengesichtspunkten. So eignet sich Miete für den kurzfristigen Einsatz, Langzeitmiete – etwa bei Fahrzeugen – generell für Zeiträume von bis zu einem Jahr und Leasing bei Einsatz eines Wirtschaftsgutes zwischen 40 und 90 Prozent der Abschreibungsdauer. Mietkauf schließlich ist sinnvoll, wenn auf den letztendlichen Eigentumsübergang Wert gelegt wird.

Generell gilt, dass die Zahlung der Raten sichergestellt werden muss, wobei insbesondere für mittel- und langfristige Finanzierungsformen das Objekt allein als Sicherheit oftmals nicht ausreichend ist. Das gilt eingeschränkt auch für Leasing – trotz seines immer wieder herausgestellten „pay as you earn“-Charakters (die Raten können unmittelbar aus den durch Einsatz des Wirtschaftsgutes erzielten Erlösen beglichen werden) und voller Eigentümerstellung des Leasinggebers über die gesamte vertragliche Laufzeit. An weiteren Sicherheiten fehlt es jedoch zumeist bei Unternehmensgründern. Das kann sich nachteilig für Starter auswirken, auch was die Höhe der Finanzierungskosten anbelangt und insbesondere seitdem Basel III mit den verschärften Eigenkapitalanforderungen für Banken – die auch Leasinggesellschaften betreffen – ab 2014 im Raum steht. „Für Start-ups haben wir keine speziellen Programme, sondern müssen jede Anfrage individuell prüfen“, teilt ein Sprecher für eine große Fahrzeugleasinggesellschaft mit.

Hier können die Bürgschaftsbanken als privatwirtschaftlich organisierte und vom Staat unterstützte Förderbanken Unterstützung geben. „Nahezu jeder zweite Kunde von Bürgschaftsbanken ist ein Existenzgründer. Ohne uns ist es für Gründerinnen und Gründer oftmals unmöglich, das benötigte Startkapital von einer Bank zu bekommen“, sagt Stefan Papirow, Vorsitzender des Verbandes Deutscher Bürgschaftsbanken (VDB). Bürgschaften sind möglich für Kredite, Leasing und Mietkauf und können in Höhe von bis zu 1,25 Millionen Euro pro Unternehmen übernommen werden. „So wird es Banken und Leasinggesellschaften oftmals erst ermöglicht, Existenzgründer ohne ausreichende Sicherheiten zu finanzieren“, sagt Papirow.

Klargestellt wird aber auch, dass keine Bürgschaften für Sanierungsfälle abgegeben werden. Das gesamte Finanzierungsvorhaben muss betriebswirtschaftlich sinnvoll und vertretbar sein. Dabei zählen nicht nur Businesspläne, Berechnungen und Prognosen, sondern auch und gerade die persönliche und fachliche Qualifikation des Unternehmers. Bewertet werden vor allem die Zukunftsaussichten im Einzelfall.

Spezielle Fördermittel für Existenzgründer sind ein weiteres Feld, um das sich Unternehmer entweder selbst, mit spezialisierten Beratern, Kammern, Banken oder Leasinggesellschaften kümmern sollten, um ihre Investitionsmöglichkeiten zu verbessern. Auch in Leasingfinanzierungen können Fördermittel grundsätzlich eingebaut werden.

Mancher Existenzgründer hat zudem eigene Vermögensgegenstände, deren Wert er noch gar nicht kennt, die er aber durchaus zu Geld machen könnte – wie etwa Patente. Doch ist es für Start-ups schwer, hierüber Kapital zu generieren. Fördermittel für die Anmeldung sind aber grundsätzlich zu erhalten. So sind etwa Seed Capital (Früh-Finanzierung) oder Crowdfunding (Schwarmfinanzierung) Möglichkeiten, Geld aufzutreiben, um etwa Patente technologisch einsetzen und nutzen zu können. Grundsätzlich sind Patente auch leasingfähige Güter, die über eine „Sale and Lease Back“-Transaktion dem Unternehmer Kapital und Nutzung verschaffen können. Die Konstruktion ist etwa wie folgt: Ein Unternehmen verkauft seine Patente an einen Leasinggeber und least sie für einen bestimmten Zeitraum – etwa für fünf bis acht Jahre – zurück, und zwar gegen ratierliche Zahlungen bei unterschiedlichen und sehr genau zu prüfenden Möglichkeiten des Rückerwerbs.

„Für Existenzgründer ist dieser Weg aber noch nicht geeignet“, sagt Branchenkenner U.W. Knorr von der IC InvestConsult Ettlingen. Hier gilt allgemein der Ratschlag: „Zunächst eher leise mit Patenten starten, sich kostensparend und damit kapitalschonend keinen rechtlichen Anfechtungen aussetzen, denen man noch nicht gewachsen ist.“ Einer Finanzierung über Schutzrechte sollte sich ein Unternehmen dem Experten zufolge erst dann öffnen, wenn es eine gesicherte Umsatzbasis von zumindest etwa fünf Millionen Euro bei entsprechend nachhaltigem Gewinn erreicht habe. „Dies ist eine Basis, um dann auch leichter mit geeigneten Modellen eine tragfähige weitere Unternehmensfinanzierung möglich zu machen.“

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