Zeitung Heute : Kart fahren

Till Hein

Wie ein Neuberliner die Stadt erleben kann

Hallo, Hilfe!“, rief ich und ruderte mit den Armen in der Luft. Bis der Mann im roten Overall endlich zu mir herüber kam. „Entschuldigung. Ich halte das doch nicht aus!“, sagte ich und wollte aus dem Wagen klettern. Doch ich steckte fest. In einem brummenden Ungetüm mit vier Rädern.

Der Mann legte die Hand auf meine Schulter: Vor dem Start aufzugeben, sei „schade ums Geld“. Falls mir schlecht werde, könne ich einfach in die Boxengasse abbiegen. Das musste der Ort sein, an dem sich die Boxenluder herumtrieben. Sollte es doch noch lustig werden?

Ich bin eher der Fußgängertyp. Rad fahren habe ich erst mit 15 erlernt. Viele junge Leute in meiner alten Basler Heimat fahren „Töffli“ (Mofa), ich fand „Velos“ cooler. Ein motorisiertes Fahrzeug habe ich noch nie gelenkt. Doch es war O.s Geburtstag, und ich hatte versprochen, mit ihm Kart fahren zu gehen.

Erst musste ich den Kopf in einen schweren Helm zwängen. Dann meinen Schal abnehmen. Man kann sich sonst auf der Fahrt leicht daran strangulieren, sagte der Mann im roten Overall. „Nicht zu stark beschleunigen am Anfang“, warnte er: In den Kurven sei es rutschig, man müsse die Reifen erst „heiß fahren“. Und wer „in den Autoreifen landet“, solle nicht verzagen: „Wir holen euch da raus.“

Kart fahren sei total easy: links das Gas, rechts die Bremse. Oder umgekehrt, das konnte ich mir in der Eile nicht merken. Dann müsse ich nur noch einige Flaggensignale beachten: schwarze Flagge heißt irgendwas, rote und gelbe auch.

Ich fuhr ganz rechts außen, immer den Leitplanken aus gestapelten Autoreifen entlang. Relativ vorsichtig, mit etwa 1 km/h. Und ich hielt durch. Wie ein Weltmeister! Nur Boxenluder habe ich leider keine gesehen. Trotzdem: Es war eine wundervolle Geburtstagsfeier.

Ein bisschen erinnert mich Kart fahren ans Klo-Putzen. Ein gutes Gefühl! Hinterher.

„Kartland“, Miraustr. 62-66, in Reinickendorf. www.kartland.de; Telefon 435 668 41.

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