Zeitung Heute : „Karussells neben Elefanten – Nein danke“

Der Tagesspiegel

Wie viel Geld bekommen die Berliner Tiergärten in diesem Jahr? Der Berliner Doppelhaushalt 2002/03 ist zwar noch nicht beschlossen. Doch die jüngsten Erwägungen von Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD), bei Zoo und Tierpark zu sparen oder sogar eine Einrichtung gänzlich zu schließen, lösen Besorgnis bei den Verantwortlichen aus. Sie fürchten, dass ihre Landeszuschüsse weiter gekürzt werden. Die in politischen Kreisen hin und wieder diskutierte Idee, die Zoos beispielsweise durch Karussells attraktiver zu machen und damit die Einnahmen zu erhöhen, lehnen die Tierparkvertreter dennoch ab.

„Seit Jahren haben wir Kürzungen klaglos hingenommen“, sagt Peter Czupalla, kaufmännischer Direktor von Zoo und Tierpark. Um mehr als 30 Prozent habe man die Ausgaben seit 1994 verringert. „Das soll uns erst mal einer nachmachen.“ Der kaufmännische Direktor sieht deshalb keine großen Einsparpotenziale mehr.

Die Tiergärten in einigen Bereichen als Erlebnisparks zu gestalten – mit Jahrmarktattraktionen und anderem Rummel – halten deren Vertreter für eine abwegige Idee: „Karussells neben Elefanten – Nein danke!“ Man wolle den Besuchern ein naturnahes Erleben ermöglichen, sagt Bernhard Blaszkiewitz, Tierpark-Chef. Und Heiner Klös vom Vorstand des Zoologischen Gartens ergänzt: „Wir sind doch kein Vergnügungspark.“ Kommerzielle Karussells würden zudem den Status der Parks als gemeinnützige Vereine gefährden.

Außerdem würde dies kaum mehr Besucher bringen. „Beide Tierparks haben jedes Jahr knapp vier Millionen Gäste, bei einer Berliner Einwohnerzahl von drei Millionen“, sagt Klös. Touristen spielen in der Besucherstatistik dabei eine geringe Rolle. „Wenn Sie nach Paris fahren, rennen Sie auch nicht als Erstes in den Zoo.“

Die Berliner Tiergärten werden nach Auskunft ihrer Chefs mehr besucht als alle anderen mit öffentlichen Zuschüssen geförderten Institutionen. Es könne doch bei allen Sparzwängen nicht angehen, dass man die Existenz einer Einrichtung, die Menschen jeden Alters und jeder sozialen Gruppe Erholung und Bildung biete, infrage stelle, meint Klös. Er lehnt die Schließung einer der beiden Einrichtungen entschieden ab. Schließlich „hängt daran doch das Herzblut aller Berliner“, sagt Klös. Sowohl Ost- als auch Westberliner hätten wesentlich zum Aufbau der Tierparks beigetragen. Die Schließung eines Parks würde Ost und West spalten.

Alle Jahre wieder drohe man dem Tierpark mit Kürzungen oder Streichungen, sagt Manfred Bienge vom Förderverein Tierpark. Anfang der 90er Jahre wollte der Senat die Schlangenfarm im Tierpark Friedrichsfelde zumachen, Ende der 90er Jahre munkelte man gar von einer Schließung des Tierparks. „Die Berliner werden sich auch diesmal wehren“, ist sich Bienge sicher. Doch nun will er erst einmal abwarten, was im Haushalt beschlossen wird. kvm

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