Zeitung Heute : Kaum Lichtblicke in der deutschen Solarbranche

von und U. v. Schwerin/AFP
Der Solarkiosk. Die Komponenten der Metallbox sind so leicht, dass sie notfalls per Esel transportiert werden können. Foto: AFP
Der Solarkiosk. Die Komponenten der Metallbox sind so leicht, dass sie notfalls per Esel transportiert werden können. Foto: AFPFoto: AFP

Solar Millennium, Solon, Solarhybrid, Sovello und Q-Cells – die Liste insolventer Solarfirmen in Deutschland ist lang. Und die bestehenden Unternehmen kämpfen ums Überleben. Beim Branchenführer Solarworld fiel allein im ersten Halbjahr 2012 ein Verlust von 160 Millionen Euro an. Das Fotovoltaikunternehmen leidet unter dem drastischen Preisverfall seiner Produkte, ausgelöst durch eine Schwemme von Billigangeboten aus China. Viele deutsche Anbieter arbeiten inzwischen für chinesische Solarunternehmen.

Die Unternehmen, die Chancen haben, aus eigener Kraft am Markt zu überleben sind rar. Das Zentrum für Solarmarktforschung hat gerade neun börsennotierte Top-Player der Branche unter die Lupe genommen. Nur zwei fallen unter die Kategorie „Internationale Klasse“: Die schwäbischen Maschinen- und Anlagenbauer Centrotherm und Manz. Ihr Rezept: Innovationen und wettbewerbsstarke Kooperationspartner.

Gute Nachrichten in der Branche sind rar und werden entsprechend positiv kommentiert. Als der südkoreanische Hanwha-Konzern vor zwei Wochen den Vertrag zur Übernahme von Q-Cells unterschrieb, sah Peter Frey, Geschäftsführer der Branchenvereinigung Solar Valley Mitteldeutschland, einen „Silberstreif am Horizont“. Andere Branchenexperten sehen schwarz. Wolfgang Hummel vom Berliner „Zentrum für Solarmarktforschung“ hält Deutschland als Wirtschaftsstandort für die solare Massenproduktion international einfach nicht für wettbewerbsfähig. „Statt der Antidumping-Diskussion wäre eine Standortdebatte zu führen“, sagt er. Und Jochen Hauff, Direktor Erneuerbare Energien bei der Unternehmensberatung A. T. Kearney in Berlin, pflichtet ihm bei: „Nur wenige werden es schaffen, die langfristige Wettbewerbsfähigkeit aus eigener Kraft wiederherzustellen.“

Dazu könnte bald auch ein junges Unternehmen aus Berlin zählen. Es entwickelte den Solarkiosk, eine kleine Laden-Box, die einem Kleinhändler auch noch am entlegensten Ort des afrikanischen Kontinents eine autonome Verkaufsstelle ermöglichen soll. Dank der Solarzellen auf seinem Dach kann der Kiosk genügend Strom für Lampen, einen Kühlschrank oder auch das Laden von Handys produzieren. Bisher müssen Handys oft viele Kilometer weit zur nächsten Steckdose gefahren werden, um sie zu laden.

Der Geschäftsführer des 15 Mitarbeiter zählenden Start-up, Ulrich Möller, setzt dabei weniger auf öffentliche Förderung als auf Profit: „Wir sind überzeugt, dass nur ein profitorientiertes Geschäftsmodell langfristig Betrieb und Wartung von Solaranlagen in Afrika sicherstellen kann“, sagt Möller. Ein Satz Bleibatterien soll genug Energie speichern, so dass der Kiosk in der Regenzeit auch mal ein paar Tage ohne Sonne auskommt. Solartechnik und der Alurahmen sind aus deutscher Produktion, der Rest wurde in Äthiopien gefertigt. Der erste Kiosk seiner Art steht seit Juli in Zentraläthiopien, am Langanosee, rund hundert Kilometer südlich von Addis Abeba.

Während der Solarkiosk noch am Anfang steht, hat der Global Nature Fund (GNF) bereits einige Erfahrungen mit Solarenergie in Kenia gesammelt. Seit 2008 betreibt die internationale Umweltorganisation zusammen mit Osram am Viktoriasee mehrere Solarstationen. Die sogenannten Water-Energy-Hubs nutzen die Energie zum Reinigen von Wasser, vor allem aber für das Laden von Solarlampen, die sie an die Fischer gegen eine geringe Gebühr verleihen.

Tatsächlich ist Deutschlands Weltmarktanteil an der globalen Zellproduktion binnen weniger Jahre dramatisch gesunken – kleinere „Leuchtturm“-Projekte in Afrika hin oder her. Den Wettbewerb gegen billig produzierende asiatische Großfabriken kann die deutsche Branche wohl nicht gewinnen. Frank Wendler/U. v. Schwerin (AFP)

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