Zeitung Heute : Kaum Schutz vor Mißbrauch

HOLGER SCHLÖSSER

Datenschutz bei PCs oft vernachlässigt / Neue Broschüre in Berlin vorgestelltVON HOLGER SCHLÖSSEROb im Büro oder in den eigenen vier Wänden: Computer sind aus dem Alltag nicht wegzudenken.Doch während die elektronischen Helfer immer schneller und leistungsfähiger werden, hinkt der Schutz sensibler, persönlicher Daten weit hinterher.Dem Mißbrauch wird durch die große Verbreitung der Technologie Tür und Tor geöffnet.Zum großen Teil liegen die Risiken schon in der Softwarebasis der Rechner begründet.Bei der Entwicklung von Betriebssystemen wie MS-DOS oder MS-Windows, wurde der Sicherheitsaspekt "nicht oder kaum berücksichtigt", heißt es im Berliner Datenschutzbericht 1996.Sinnvoller Schutz sei den Datenschützern zufolge nur möglich, wenn zusätzliche Sicherheits-Software installiert würde.Andernfalls lägen die gespeicherten Daten jedem auch nur halbwegs technisch versierten Nutzer offen.Die Mängel auf der technischen Seiten können nicht darüber hinwegtäuschen, daß auch die spärlich gesäten Sicherheitsfunktionen nur selten genutzt werden: aus Unkenntnis darüber, daß es sie überhaupt gibt.Mit der neuen Broschüre "Personal Computer und Datenschutz", die am Dienstag vom Berliner Datenschutzbeauftragten Hansjürgen Garstka vorgestellt wurde, soll die Sensibilität insbesondere unter IT-Verantwortlichen der Öffentlichen Hand und der Schulen geweckt werden.Daß sich hier auch nützliche Tips für kleine Betriebe oder den privaten Anwender finden, versteht sich von selbst.Nur will die Berliner Behörde den kommerziellen Anbietern von Datenschutzkonzepten keine Konkurrenz sein.Konkrete Produktinformationen sucht man in dem Heftchen also vergeblich.Worauf ist beim Einsatz von PCs besonders zu achten? Wie es die Bezeichnung "Personal Computer" nahe legt, wurde dieser Rechnertyp ursprünglich für nur einen Benutzer entwickelt.Eine eigene Verwaltung, die jeden Anwender registriert und authentifiziert, wird beim Kauf nicht mitgeliefert.Wird der PC aber in einem Firmennetzwerk betrieben, muß er mit "entsprechenden Zusatzwerkzeugen ausgestattet werden", so Hanns-Wilhelm Heibey, einer der Verfasser der Broschüre.Viele Verantwortliche seien sich der Problematik nicht bewußt, daß die Fähigkeit, mit einem Computer umzugehen und demzufolge Schaden anzurichten, mittlerweile weit verbreitet sei.Anders als noch vor einigen Jahren, wo dieses Wissen nicht vorausgesetzt werden konnte, müssen Maßnahmen ergriffen werden, die verhindern, daß der PC überhaupt in Betrieb genommen werden kann. Die Broschüre "Personal Computer und Datenschutz" gibt es kostenlos beim Berliner Datenschutzbeauftragten in der Pallasstraße 25/26 in 10781 Berlin.Mit einem frankierten Rückumschlag (1,50 Mark) kann sie auch schriftlich angefordert werden.

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