Zeitung Heute : Kawasaki: Mehr Kawa-Grün auf die Straßen bringen

Nach dem Markteinbruch des vergangenen Jahres will

Nach dem Markteinbruch des vergangenen Jahres will Kawasaki verlorenes Terrain wettmachen

Der Motorrad-Absatz ist nach vielen Jahren des Wachstums im vergangenen Jahr erstmals wieder um 8,8 Prozent gesunken. Bei Kawasaki waren es aber 27 Prozent. Für wie bedrohlich halten Sie das?

Wir sind verständlicherweise mit den Ergebnissen, die wir im vergangenen Jahr erzielt haben, nicht zufrieden. Der Absatzrückgang ist sicher schmerzhaft, aber nicht bedrohlich. Wir haben uns nun einiges vorgenommen, die verlorenen Marktanteile zurückzuerobern.

Sie planen eine ganze Reihe von Aktionen, um den Marktanteil wieder zu erhöhen?

Da bieten wir üppig ausgestattete Edition-Sondermodelle, Nachlässe für bestimmte Motorräder des Modelljahrgangs 2000 (Jackpot-Modelle) und ein umfassendes Serviceangebot wie etwa das Good-Times-Versicherungsprogramm. Dann die Veranstaltungen wie der Ninja Cup, Sportfahrer- und Perfektionstrainings sowie erstmals ein spezielles Basistraining für Einsteiger. All das steigert die Fahrsicherheit - ein Thema, das Kawasaki sehr am Herzen liegt. Zudem geht unser 18-Meter-Sattelzug voller Attraktionen auf Deutschlandtour, vom 4. bis 6. Mai steht er am Motorradtreff Spinnerbrücke in Berlin.

Kümmern Sie sich zu wenig um Leute mit schmalem Geldbeutel?

Nein, keineswegs. Kawasaki bietet im Bereich um und sogar unter 10 000 Mark fünf Modelle an, zum Beispiel die beliebte ER-5. Das ist ein leicht zu fahrendes Motorrad, das in der City eine ebenso gute Figur macht wie auf Land- und Schnellstraßen. Und das für einen empfohlenen Verkaufspreis von nur 8990 Mark.

Kann es sein, dass Kawasaki zu stark auf sportliche Motorräder und auf Chopper sowie Cruiser setzt?

Abgesehen von Motorrollern, die traditionell keinen Platz im Kawasaki-Programm haben, sind wir bis auf eine Ausnahme in jedem Segment präsent. Gewisse Prioritäten ergeben sich allerdings aufgrund begrenzter Kapazitäten und unterschiedlicher Nachfrage. Kawasaki hat sich einen Namen gemacht mit leistungsstarken, schnellen Motorrädern, die sich klar von der Konkurrenz abheben. Die bestverkauften Kawasaki-Modelle waren im vergangenen Jahr nicht von ungefähr die Supersportler Ninja ZX-9R und Ninja ZX-6R. Dessen ungeachtet haben wir insgesamt 34 Modelle im Angebot: sechs Crosser, fünf Enduros, acht Cruiser, elf Modelle aus den Segmenten Sportler, Sporttourer und Naked Bikes.

Aber was ist mit den heute sehr beliebten Reiseenduros und den Tourern?

Kawasaki hat für Tourenfahrer diverse Motorräder mit Wind-, Wetterschutz und bequemer Sitzposition im Programm. Neben dem Kardantourer GTR 1000 sind das unter anderem die ZZ-R 600 und ZZ-R 1100 oder die Newcomer ZRX 1200 S und ZR-7S. Was hubraumstarke Reiseenduros betrifft, muss Kawasaki zur Zeit passen. Allerdings rangierten unter den Top 50 der Neuzulassungen im vergangenen Jahr gerade einmal zwei große Reiseenduros - an der Spitze die BMW R 1150 GS und im Mittelfeld die Honda Varadero.

Und die Auswahl für Anfänger?

Einsteiger, die zwei Jahre lang Motorräder nur mit einer Leistung von maximal 34 PS fahren dürfen, finden bei uns vier serienmäßige Modelle dieser Klasse und insgesamt 14, für die es entsprechende Drosselkits gibt - die nach den zwei Jahren natürlich wieder entfernt werden können.

Die Motorradfahrer "vergreisen", es fehlt der Nachwuchs. Was macht Kawasaki dagegen?

Das Nachwuchsproblem kann nicht von einem Motorradhersteller allein gelöst werden. Deshalb hat der Industrieverband Motorrad einen Arbeitskreis "Jugend und Motorrad" ins Leben gerufen, der sich mit wissenschaftlicher Unterstützung erst einmal mit der Frage befasst, warum das Thema Motorrad zur Zeit bei Jugendlichen auf geringeres Interesse stößt als in der Vergangenheit. Jeder hat seine Meinung zu diesem Thema, aber niemand hat gesicherte Erkenntnisse.

Was halten Sie denn eigentlich von der EuroZulassung? Damit können doch Motorräder aus dem Ausland viel leichter eingeführt werden?

Die EU-Homologation bedeutet für die Hersteller eine Erleichterung: geringere Kosten, reduzierter Zeitaufwand. Natürlich vereinfacht die Vereinheitlichung auch den Import. Auslands-Einkäufe erwarten wir dennoch nicht, da die Preisunterschiede innerhalb Europas in den meisten Fällen nicht so groß sind, dass sie den Aufwand rechtfertigen. Da kauft der Kunde auch in Zukunft besser bei seinem Händler am Wohnort.

Muss er sich damit beeilen?

Das hängt von der jeweiligen Nachfrage ab. Sollte es doch einmal zu Engpässen kommen, sind die EU-Homologation wie auch unsere neue Europa-Zentrale in Amsterdam von Vorteil. Möglicherweise ist das in Deutschland gesuchte Modell in anderen Teilen Europas nicht ganz so gefragt, dass man sich auf diese Weise aushelfen kann.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar