Zeitung Heute : Keep smiling

SUSANNA NIEDER

Ein befremdlicher Borchert-Abend im Theater TribŸneSUSANNA NIEDER"Pack das Leben bei den Haaren" - das hšrt sich eher nach einer Schlagerparade der FŸnfziger an als nach einem Wolfgang-Borchert-Abend.Im Zusammenhang eines Lebens, von dessen 27 Jahren vier im Krieg verbracht wurden, klingt das Zitat nicht mehr ganz so albern: "Gib dich doch den wunderbaren Augen eines MŠdchens hin, pack das Leben bei den Haaren, dann erfŸllst du seinen Sinn!" Au§erdem, erfŠhrt man aus dem Programmheft, sei Borchert "im Grunde ein verhinderter Komšdiant" gewesen, jedenfalls Peter RŸhmkorfs Ansicht nach.Und dieser Worte eingedenk hat Rainer Behrend (Buch und Regie) offenbar den Abend gestaltet. Also Borchert, mal ganz anders? "Helm ab, Helm ab: - Wir haben verloren!" Die Bildsprache ist so eindringlich wie eh und je: Lila vor Frost, vor Angst, vor Armut.Eigentlich mŸ§ten einem die Haare zu Berge stehen.Statt dessen stellt sich Befremden ein.Wenn ein solcher Text schon lŠchelnd vorgetragen wird, mŸ§te es das LŠcheln von Menschen sein, die durch die Hšlle gegangen sind und jenseits einen gewissen ausgebrannten Humor gefunden haben.Doch Behrends Regie fehlt der doppelte Boden.Hier wird einfach mal so gelŠchelt, und etwas Unpassenderes als vier wohlgenŠhrte, gepflegte, recht selbstzufrieden lŠchelnde Darsteller kann man sich fŸr Borchert - Komšdiant hin oder her - kaum vorstellen. Das "na§kalte Grauen", das sich beim Lesen von Borcherts Texten von selbst einstellt, entwischt Behrend ebenso wie etwa vorhandene Komik; es gelingt ihm nicht, seine Darsteller an den Abgrund zu fŸhren.Selbst der eindrucksvollste Moment, der Monolog aus "Drau§en vor der TŸr", in dem der fette General mit Knochen Xylophon spielt (vorgetragen von Torsten Waligura), gerŠt eher farblos.An anderen Stellen ertappt man sich gar bei dem Gedanken, es gebe doch weitaus aktuellere Probleme heutzutage.An Borchert liegt das nicht.Und leider erst recht nicht an den ZustŠnden in der Welt. NŠchste Termine: 29.und 30.August, 20 Uhr, im Theater TribŸne.

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